ART, Artspaces

Rundgang: THE BIG SLEEP – 4. Biennale im Haus der Kunst

 


Irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.

Der Künstlerverbund im Haus der Kunst in München zeigt bei seiner 4. Biennale unter dem Titel „The Big Sleep“ Arbeiten von 31 Künstlern, darunter James Turrell und Paul McCarthy.

Die Kunsthistorikerin Katharina Rohmeder hat im Team des Künstlerverbundes die Ausstellungsvorbereitungen begleitet und führt euch heute hier in einem kleinen Rundgang durch die Räumlichkeiten.


 

 

Zitternd und vibrierend empfängt uns die riesige Spiegelfläche von Magdalene Jetelová im ersten Raum. Angeregt von den Schallwellen einer John-Cage-Komposition wirft sie abgehakte, verwackelte Bilder zurück in den Raum und verzerrt jeden Versuch des Spiegel-Selfies. „essential is no more visible“ – das Wesentliche ist unsichtbar, verkündet der Schriftzug.

Der Ausstellungsrundgang setzt sich in der großen Mittelhalle des Westflügels fort, der vollständig im Dunkeln liegt und die einzelnen Skulpturen und Video-Arbeiten als helle Fragmente absorbiert. Einige der Positionen beziehen sich direkt auf ihren Ausstellungsort. So zum Beispiel die Objektskulptur Vera Lossaus „I lost an eye, but it does not matter“, die in Form eines Basketballkorbs mit zwei Bällen an die Besetzung des Hauses durch die Amerikaner nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Auch Susanne Pittroffs Kabelsalat „Trust Me“, dessen Form bewusst dem einer Abrissbirne gleicht, kündet von der dem Haus bevorstehenden Generalsanierung. Zwei Räume weiter bezieht sich Paul McCarthy mit seinem Geranien-bepflanzten Modell des Hauses auf seine Ausstellung dort vor über 10 Jahren.

Im weiteren Verlauf des Rundgangs durch die Ausstellung finden wir uns schließlich in einem völlig leeren Raum wieder. Erst beim Blick nach oben zum Glasdach treten Michael Sailstorfers „Solarkatzen“ zu Tage und lösen ein Gefühl irgendwo zwischen Schreck, Verwunderung und alptraumartigem Schaudern aus. Nebenan tun die plastisch ausgeleuchteten Drucke von Frauen unter der Dusche dergleichen. Die amerikanische Künstlerin Marilyn Minter ruft damit gruselige, psychotische Bildmomente aus dem Film „Psycho“ hervor.

Nun darf aufgeatmet werden: die folgenden Räume zeigen ein in luftiger Höhe schwebendes Wolken-Banner von Miya Ando und ein an farbiger Leuchtkraft kaum zu übertreffendes Bild der afro-amerikanischen Künstlerin Tschabalala Self. Die eigens für die Ausstellung komponierte Klanginstallation Tanja Hemms krönt eine Reihe von Soundinstallationen, die maßgeblich die brodelnde Atmosphäre der gesamten Ausstellung beeinflussen. Am Ende des Rundgangs landen wir wieder vor der vibrierenden Spiegelfläche Magdalena Jetelovás und stehen einmal mehr vor der Frage nach dem, was hinter der Oberfläche liegt. Was die Essenz ausmacht.

 

 


 

Der Künstlerverbund lässt Künstler zu Kurator werden und tritt damit in die Fußstapfen von Gustav Corbet und einer langen Geschichte der künstlerischen Selbstbestimmung mit Hilfe der Selbstorganisation von Künstlern.

Künstler kuratieren Künstler, tauchen in das Werk des anderen ein, diskutieren Inhalte, Themen, Formen, Materialien, begleitet von Kunsthistorikern und Kulturmanagern wie z.B. Katharina Rohmeder, die wir seit ein paar Wochen mit zu unserem THEWHYNOT Team zählen dürfen.
Für nächste Woche hat Katharina ein Interview mit der Leipziger Künstlerin Tobia König vorbereitet.

 


 

HAUS DER KUNST

The Big Sleep

4. Biennale des Künstlerverbundes

19.07. bis 08.09.2019
Westflügel im Haus der Kunst München
Prinzregentenstr. 1
80538 München

Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr, Do 10-22 Uhr

www.hausderkunst.de

www.kuenstlerverbund.org

 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Adidal   Abou-Chamat/DE,   Miya  Ando/US,   Birthe   Blauth/DE,  Carlotta   Brunetti/DE,   Jutta Burkhardt/DE,  Albert Coers/DE,  Judith  Egger/DE, Manuel  Eitner/DE,  Amit Goffer/ISR,  Peter Gregorio/US,  Tanja  Hemm/DE, Magdalena  Jetelová/CZE,  Alexander Kluge/Thomas  Thiede/DE, Kyung-Lim  Lee/US,  Vera Lossau/DE,  Louise  Manifold/IRL, Nina  Annabelle  Märkl/DE, Paul McCarthy/US, Marilyn Minter/US, Edie Monetti/DE, Herbert Nauderer/DE, Dagmar Pachtner/DE, Laurie Palmer/US,  Susanne  Pittroff/DE, Michael  Sailstorfer/DE,  Tschabalala Self/US,  Leslie Thornton/US, toffaha/DE+EGY, James Turrell/US, Timm Ulrichs/DE, Veronika Veit/DE

Zusatzausstellung: 70 Jahre Ausstellungen des Künstlerverbundes im Haus der Kunst (ehem. Ausstellungsleitung im Haus der Kunst München e.V.) unter der Regie von Anna Frydman und Rasso Rottenfußer in Zusammenarbeit mit Dr. Kurt Fendt, Ben Silverman, MIT, Cambridge/USA

 

 

 


Teaserfoto: Vera Lossau, I lost an eye, but it does not matter, 2018, Basketbälle, 35 x 70 x 45 cm, Kunststoff, Metall, © Vera Lossau

Alle weiteren Fotos: Ausstellungsansichten @Susanne Hesping