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28 Grad – oder wie verlege ich meinen Roman?

28 Grad ist die Geschichte eines schmächtigen Jugendlichen, dessen Nachmittage mit seiner Mutter im örtlichen Freibad ungeahnterweise sein künftiges Leben beeinflussen. Was heißt es einen Traum zu haben und wie weit muss man als junger Mensch gehen um ihn wahr werden zu lassen? Es ist eine Geschichte, geschrieben mit viel Liebe fürs Detail und zu Menschen. Der Roman ist frisch und unkompliziert, wie das Leben sein sollte. Jeder Lesende wird sich in einer der Situationen augenzwinkernd oder auch augenrollend wiedererkennen. Versprochen.

Mathias Graefke-Krull, der Autor von 28 Grad hat sich für einen eigenen Weg zur Veröffentlichung des Romans entschieden, nämlich ihn selbst zu verlegen. Wie es dazu kam und was man dafür tun muss, haben wir bei einem Interview mit ihm erfahren.

Irgendwann kam mir in den Sinn, dass ein Marathon im ersten Moment auch wie ein viel zu großes Projekt wirkt.

Wenn man sich allerdings damit auseinandersetzt, geht das Gefühl der Unlösbarkeit verloren und man bekommt eine Idee, wie das klappen könnte.

Mathias, wie lange hast du an deinem Schriftwerk gearbeitet?

2011 habe ich den Prolog als Kurzgeschichte geschrieben. Es war zwar eine Erzählung, die in dem Moment für sich stand, irgendwie hatte ich aber das Gefühl, dass ich daraus mehr machen möchte. 2012 habe ich angefangen Ideen zu sammeln und das erste Kapitel zu schreiben. Es hat sich zu dem Zeitpunkt aber nicht richtig angefühlt. Also habe ich es liegen lassen und weiter Kurzgeschichten zu anderen Themen geschrieben. Die Herausforderung einen Roman zu schreiben lag wie ein riesiger Stein vor mir, den ich nicht wusste, wie in Bewegung zu bringen. Irgendwann kam mir in den Sinn, dass ein Marathon im ersten Moment auch wie ein viel zu großes Projekt wirkt. Wenn man sich allerdings damit auseinandersetzt, geht das Gefühl der Unlösbarkeit verloren und man bekommt eine Idee, wie das klappen könnte. So habe ich mir Ende 2019 einen Plan geschmiedet, wie ich den Roman angehe und habe Anfang 2020 damit begonnen. Bis Mitte Mai habe ich geschrieben, bis September korrigiert.

Wie kam es zur Idee dieses Inhalts? Erinnerst du dich daran?

So genau weiß ich das nicht mehr. Manchmal sind es Situationen oder auch nur Gedanken, die mich dazu bewegen über etwas nachzudenken. Wie etwas sein oder sich jemand in einer bestimmten Situation fühlen könnte. Und dann entsteht daraus entweder gar nichts oder es hat soviel Substanz, dass ich darüber etwas schreiben möchte. Wenn ich das dann tue, merke ich schnell, ob es bei ein paar Seiten bleibt, oder ob ich daraus mehr machen möchte. In dem Fall schwirrte sehr viel mehr als nur die Kurzgeschichte in meinem Kopf rum und es musste raus.

Warum hast du beschlossen dein Buch selbst zu verlegen?

Es war mir nicht von Anfang an klar, dass ich das Buch selbst veröffentliche. Eigentlich war ich immer der Meinung, dass Selfpublishing Blödsinn ist. Als ich mit dem Manuskript fertig war, habe ich es den Verlagen, bei denen ich gerne mein Buch veröffentlichen wollte, geschickt. Wenn man sich mit Manuskripteinsendungen auseinandersetzt, kriegt man von allen Seiten das gleiche gesagt. Es gleicht einem Sechster im Lotto, wenn man als unbekannter Autor von einem Verlag unter Vertrag genommen wird. Das passiert sehr selten und es ist auch nachvollziehbar. Der Verlag nimmt ein sehr hohes finanzielles Risiko in Kauf, ohne zu wissen, ob das Buch Erfolg hat. Das ist anders, wenn jemand kommt, der schon ein Buch geschrieben hat, das sich bereits eine Million mal verkauft hat. Oder wenn ein Prominenter ein Buch schreibt.
Als mir die ersten drei Verlage auf meiner Liste abgesagt haben, waren nur noch Verlage über, die einen Kompromiss für mich darstellen würden. Was, wenn sich ein Verlag bei mir meldet, ich aber mit dem Lektorat oder dem Cover nicht einverstanden bin? Klar würde ich mich freuen, wenn jemand mein Buch veröffentlicht. Dennoch möchte ich, dass es genau so rauskommt, wie ich es will. Und da kam mir der Gedanke, es selbst zu tun.

Wie geht man vor, wenn man das selbst in die Hand nimmt?

Es gibt unterschiedliche Dienstleister die eine Veröffentlichung anbieten. Die Angebote gleichen sich und ebenso die Preise. Am Ende ist entscheidend, wer einem sympathischer ist. Ich habe mich für einen kleineren Verlag in der Nähe von Hamburg entschieden. Leistungsspektrum, Layout und Philosophie haben mich angesprochen.

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

In meinem Fall lagen die Kosten für die Veröffentlichung bei rund 40,- €. Eigentlich sind es nur 20,- €, ich habe aber beim Cover einen Fehler gemacht und musste eine zweite Auflage in Auftrag geben, noch bevor das erste Buch verkauft war. So ist das eben, wenn man alles selbst macht. Für die 20,- € kümmert sich der Verlag darum, dass man eine ISBN Nummer erhält, das Buch in der Nationalbibliothek landet und es jeder Buchhändler in Deutschland bestellen kann.

Welche Möglichkeiten hat man dann das Buch zu verkaufen?

Das Buch kann dann überall gekauft werden wo es Bücher gibt. Beim Buchhändler um die Ecke, bei allen einschlägigen Stores im Internet und auch direkt im Onlineshop des Verlags. Es wird erst gedruckt, wenn es jemand bestellt, liegt also nicht wie bei Verlagen irgendwo auf Halde. Dadurch dauert der Versand auch 3  bis 5, statt 1 bis 3 Tage.

Würdest du auch beim nächsten Buch diesen Weg gehen?

Das weiß ich noch nicht.Ich sitze bereits am nächsten Buch, einem Thriller über Klimaverbrechen. Wenn sich ein Verlag dafür interessiert, dann werde ich sicher nicht nein sagen. Die Erfahrung mit einem Verlag zu veröffentlichen will ich auf jeden Fall auch noch machen. Dann kann ich für mich ein Fazit ziehen, welche Variante mit besser passt. Mal sehen was kommt…

Vielen Dank, Mathias! Und viel Erfolg sowohl mit diesem, als auch beim Schreiben des nächsten Buches.

28 Grad von Mathias Graefke-Krull