ART, Artspaces

Angriffe auf die Marta – 8 Künstler bringen Museumsbesucher in Herford zum Staunen



Explosionen, Verwandlungen und Auswüchse strengstens erlaubt!

Why Not?!


 

In der ostwestfälischen Kleinstadt Herford hat vor etwas mehr als elf Jahren der Stararchitekt Frank Gehry ein spektakuläres Haus für die Kunst geschaffen. Aus rotem Backstein und Edelstahl erscheint die Gebäudeskulptur wie ein außerirdisches Flugobjekt, dass sich einen eigentlich recht wenig spektakulären Ort Deutschlands ausgesucht hat und genau dieses Fleckchen Erde jetzt so sehenswert macht. In das Marta Museum zogen hochkarätige Ausstellungsformate und weltbekannte Künstler ein. So auch die aktuelle Ausstellung „Der fremde Raum“. Eine Ausstellung, die stark in die imposante Museumsarchitektur eingreift, sie stellenweise stark angreift oder explosionsartig verfremdet. Acht Künstler haben extra für die Marta Werke konzipiert, die dem Besucher ein Staunen entlocken.

 

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In der Eingangssituation entdeckt der Besucher ein dreidimensionales, konstruktives Gemälde aus schwarzen kleinen Flächen, die wie ein Fischschwarm in eine Richtung zu schwimmen scheinen. Zwei Ausgänge gibt es aus diesem Raum. Geht man linker Hand, stößt man direkt auf ein sich durch die Wand hindurch gefressenes Etwas. Die Assoziationen reichen von einem Wal, zu einem Darm oder einem Parasit. Lebendig mutete es an. In der näheren Betrachtung sind hunderte aneinandergefügte, kleine Rinden und Hölzer zu erkennen. Das diese Objekt, des brasilianischen Künstles Henrique Oliveira, auch zu begehen ist, ist zu dem Zeitpunkt noch nicht zu erkennen. Somit schweift das Auge erst mal auf das 7 Meter hohe Baugrüst, dass den Zugang zu einem wahrhaftig fremden Raum ermöglicht. Radikal und grob, wie auf einer Großbaustelle, ist von Peter Buggenhout in das Dach des Gehry Baus eingegriffen worden. Eine große Wunde klafft hoch oben im Marta-Dom, die Einblick ein einen mysteriösen Zwischenraum gibt. Es wäre ein schier unmöglicher Eingriff im laufenden Ausstellungsbetrieb, wenn es sich hierbei nicht um Kunst handeln würde. Dem gegenüber schlängelt sich kilometerlanges schwarzes Klebeband der Wand entlang, welches wie eine dreidimensionale Zeichnung im Raum wirkt. Durch Verdichtungen und Knotenpunkte schafft Monika Grzymala wiederum etwas körperhaftes, das Gehrys bewegter Bauskulptur halt geben möchte.

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Kehrt man zurück zu dem Eingangsportal und nimmt den zweiten Ausgang – ohne versehentlich unter den mahnenden Augen des Aufsichtspersonals auf eine der schwarzen Flächen zu treten, gelangt man zu der dynamischen, philosophischen und für mich spektakulärsten Arbeit. Ein Raum voller Energie, bestehend aus unzähligen Aktenblättern, die  Anastasia Ax im Zentrum des Raumes zu einem riesigen Kubus gestapelt hat. Zur Eröffnung der Ausstellung ließ die Künstlerin in einer körperbetonten, rituellen Performance Farbe auf all den Blättern explodieren, die aus dem Kubus heraus katapultiert wurden und wie nach einem Angriff wüste Unordnung im Raum geschaffen haben.

Durchschreitet man vorsichtig die Papierberge gelangt man in den nächsten Raum, der auf den ersten Blick von einer scheinbar zarten Wandzeichnung durchzogen ist. Hier hat das überreizte Auge die Chance sich wieder zu beruhigen und schweift über brachiale, riesige Betonobjekte. Dass auch hier ein enormer Eingriff in dem Raum stattgefunden hat, erkennt man erst auf den zweiten Blick, wenn man die zarten Linienführungen auf der Museumswand fokussiert und dahinter eine gewaltvolle Ritzung erkennt.

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Jedoch ist man schnell wieder abgelenkt von den leisen Dschungeltönen aus dem nächsten Raum, der den Besucher zu einer Expedition einer unbekannter Welt einlädt. Schwere Stahlträger und filigrane Drähte in leuchtenden Farbtönen sind zu einem Dschungel komponiert worden, indem Steine, Bäume und Gewässer genauso existieren wie Lebewesen, die sich den Museumsraum scheinbar zu Eigen gemacht haben. Der belgische Künstler Arne Quinze, bekannt für seinen überdimensionalen Lattenskulpturen im öffentlichen Raum, versucht Kulturlandschaften sinnlich und unmittelbar erfahrbar zu machen. Wie ein Forscher durchquert der Besucher das Territorium, bevor er in den letzten Raum der Ausstellung gelangt.

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Hier geht es ähnlich interaktiv zu, wie in den anderen Räumen. Ein Eingangsoval öffnet sich als Zugang in den Kunstkörper, der, wir erinnern uns, durch den Marta Dom wie ein unaufhaltsamer Fluss aus Hölzern und Rinden kroch. Unter den Füßen knackst und knarrt es. Vorsichtig mit respektvollem Schritt durchquert man das Kunstwerk bis man am Ende wieder in den White Cube der Ausstellungshalle ausgespuckt wird und vor einem Raumkonstrukt von Stefan Eberstadt steht, der auf den ersten Blick nüchtern daher kommt, bis man im Inneren akustischen Überraschungen erfährt

Der fremde Raum ist eine Ausstellung die Künstler eingeladen hat, die Museumsarchitektur zu verwandeln, sie explodieren zu lassen und Angriffe auf sie zu verüben, die so ehr ungewöhnlich sind. Während sich Gehry als Architekt stark von KünstlerInnen beeinflussen lässt und Marta als Gebäudeskulptur entwarf, dreht sich dieses Inspirationsverhältnis nun um. Eine Ausstellung die Besucher noch bis zum 5. Februar staunen lässt.

 

 

 


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„Der fremde Raum – Angriffe, Verwandlungen, Explosionen“
Bis 5. Februar 2017

Goebenstraße 2 – 10
32052 Herford

www.marta-herford.de
Instagram: @martaherford
Facebook: MartaHerford
Hashtags: #derfremderRaum #bizarrespaces

 

 

 


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Fotos: Carolin Samson