FASHION

Label to watch: fitbuddhastyle

 

Wir haben Senada Sokollu erstmals in Berlin auf der Fashion Week gesehen, wo sie sich und ihr Label mit der ersten fitbuddha Kollektion präsentierte. Wir waren sofort begeistert von ihren Materialien und den Farben. Es war Winter und draußen klapperkalt und ich hätte am liebsten sofort eine von ihren groben, selbstgestrickten Granny’s Chiller Pants angezogen! Alle waren verrückt nach ihrer Kollektion.

Was die Kollektion aber so wertvoll macht, ist der Hintergrund, sind die Menschen die die Kollektion möglich machen und natürlich allen voran Senada selbst, die durch Engagement und Empathie die Herausforderung angenommen hat, Frauen in Alacati in der Türkei zu unterstützen. In diesem Interview bekommt ihr einen tollen Einblick in ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Beweggründe!

 

Senada von fitbuddhastyle

 

Du bist eigentlich studierte Journalistin, was hat dich veranlasst eine sozial engagierte Gründerin und Designerin von einem so coolen, nachhaltigen und bio-zertifizierten Label zu werden?
Direkt nach meinem Politikstudium bin ich vor fünf Jahren aus Deutschland in die Türkei gezogen und habe als Korrespondentin für verschiedene internationale TV-Sender gearbeitet. Ich habe aus dem syrischen und irakischen Grenzgebiet berichtet, war in den Flüchtlingslagern in der Türkei und in Griechenland. Als diese enorme Flüchtlingswelle erst in die Türkei schwappte und dann erst später in die EU und in den Rest der westlichen Welt, war mir bewusst dass es so viel Leid gibt und dass ich gerne außerhalb meines journalistischen Berufes Menschen unterstützen und helfen möchte. Als Journalist ist man ja meistens Idealist, oder sollte es sein, was Menschenrechte und Demokratie angeht und diese Haltung hat sich dann auch immer mehr auf mein Privatleben abgezeichnet und ich suchte dann nach alternativen Wegen um meinen Idealismus parallel zu meinem Journalismus auszuleben. 2016 zog ich aufgrund der Unruhen in Istanbul an die türkische Ägäisküste und fitbuddha wurde geboren. 

Wie bist du an die Frauen geraten, die jetzt für dich die handgefertigten Kollektionsteile für fitbuddha fertigen?
Als ich im Sommer 2016 einen Bericht über die Flüchtlingsroute von der Ägäisküste der Türkei Richtung Griechenland machte, lernte ich nicht nur Flüchtlinge kennen, sondern auch türkische Dorffrauen, die mir von ihrem Leben erzählten. Das waren dann unter anderem Witwen oder alleinerziehende Frauen mit krebskranken Kindern, die kein Geld für die ärztliche Behandlung ihrer Kinder zusammenkriegen können. Solche Gespräche ergaben sich dann meistens beim Obst kaufen oder so. Ich habe überlegt was diese Frauen arbeiten könnten und es hat sich herauskristallisiert dass viele von ihnen stricken und nähen können. Also startetete ich einen Versuch mit handgestrichten Schals und Pullis, die ich erst selbst trug und an Freunde und Familie verschenkte. Schnell hatte ich dann einen Kundenstamm und die Frauen freuten sich natürlich über jedes Einkommen das sie hatten.

Was war zuerst da, die Idee Kleidung zu entwerfen oder ein soziales Projekt zum Leben zu erwecken?
Zuerst war das soziale Projekt da. Als ich noch in Istanbul lebte, als Vollzeit-Journalistin, hatte ich einen Versuch gestartet den vielen syrischen Flüchtlingen in der Stadt mit ihrem neuen Leben in der Türkei zu helfen. Ich begleitete sie bei Krankenhausbesuchen, lud sie im Fastenmonat zum abendlichen Fastenbrechen nach Hause zum Abendessen ein und versuchte Kleidung und Spielzeug über Facebook zu sammeln. In Istanbul hat diese Idee nur bis zu einem bestimmten Grad funktioniert und es war wie ein Fass ohne Boden. Außerdem habe ich realisiert, dass nicht nur Flüchtlinge Unterstützung benötigen, sondern im Land selbst auch noch viel getan werden kann. fitbuddha war dann eine Folge daraus und ich fand dass vor allem Menschen in Nöten arbeiten müssen, statt von Spenden zu leben, um eben ihr Selbstbewusstsein zu stärken. In der Türkei gibt es ein Sprichwort: „Anstatt jemandem einen Fisch zu schenken, bringst du ihm lieber Fischen bei.“ Das trifft so ziemlich auf das fitbuddha – Projekt zu. 

 

 

Deine Kleider haben tolle Schnitte und eine für meinen Geschmack besondere und harmonische Farbgestaltung, woher bekommst du die Inspirationen?
Da ich nun am Meer in einem kleinen Dorf lebe und nicht mehr in der Großstadt,  hat sich mein Kleidungsstil und mein Geschmack verändert. Es ist ein sehr entspannter und natürlicher Lebensstil, den ich versuche zu vermitteln. Einfach „unangestrengt“ zu Leben. Im Inneren und im Äußeren. Daraus resultierte dann der Oversized und Unisex-Look. Die Farben wähle ich so gut es geht bunt, da das Leben bunt ist.

Gibt es für dein engagiertes Label eine Art von öffentlichen Zuschüssen oder Unterstützung oder muss man so etwas ganz alleine stemmen?
Ich mache momentan alles alleine und ich kriege keinerlei Zuschüsse. Aber ich werde dieses Jahr mal an einige Türen klopfen. Mal sehen was dabei herauskommt. 

Schon bei deiner ersten Fashionweek in Berlin Anfang des Jahres war der Run auf deine Kollektion enorm und das Interesse ist groß. Was sind deine Pläne und Ziele für fitbuddha?
Berlin war tatsächlich ein riesen Erfolg. Auch jetzt im Juli war ich wieder in Berlin bei der Ethical Fashion Show und viele Blogger und Designer waren begeistert von fitbuddha und dem sozialen Aspekt der Marke. Ich möchte mit fitbuddha bio und fair bleiben und mich auf den europäichen Märkten noch weiter etablieren, als gute und sytlische Alternative zur Massenware, die unsere Umwelt so extrem verschmutzt. Ich plane nächstes Jahr wieder in Berlin mit dabei zu sein aber ich möchte auch nach London zur Messe. Im Vordergrund steht für mich natürlich den Kreis der Frauen die für fitbuddha stricken und nähen zu vergößern und den Käuferstamm zu erhöhen um gleichzeitig den gesellschaftlichen Einfluss zu erweitern. In Zukunft möchte ich mich auch unbedingt mit der Produktion auf andere Länder außerhalb der Türkei ausweiten.

Tausend Dank für dieses Interview und ganz viel Erfolg bei der Weiterentwicklung dieses tollen Projekts!

 

Wir sind froh euch ein so tolles Label vorzustellen und selten kann man mit einem so guten Gefühl das Konsumieren von Kleidung unterstützen. Mit dem Kauf von Teilen dieser Kollektion ermöglicht ihr den Menschen in Krisengebieten ein besseres und vor allem sinngefülltes Leben.
Gerade in schwierigen Situationen möchten Menschen eine Aufgabe haben und gebraucht werden. In diesem Sinne legen wir euch heute mal Shopping aus tiefstem Herzen an ebendieses.

Ich bestelle mir jetzt das „I hate hate“ T-Shirt und den kuscheligen grobgestrickten Schal aus Seide, Kaschmir und Wolle und freue mich ohne schlechtes Gewissen!

 

 

 

Und hier ein kurzer Ausblick auf die farbenfrohe Sommerkollektion 2019

 


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