ART

Ein Kinderbuch für Erwachsene


Why Not?!

Ein Illustrator der ein Kinderbuch für Erwachsene schreibt – mit einer Menge Witz in Text und Bild, von nervenden Eltern, geplatzten Träumen, kindlichen Sorgen und dem Sieg der Blauäugigkeit.


 

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Das Buch „Die Finger an den Füssen“ von Boris Bromberg, alias Yeye Weller, alias Lumen von Borsody hat uns zum Lachen gebracht. Zugleich aber auch fasziniert und nachdenklich gemacht. Würden wir es nicht besser wissen, hätten wir ein 8- bis 10-Jähriges Ausnahmetalent dahinter vermutet. Somit wollten wir mehr wissen von dem Illustrator, der in Kindersprache schreibt und seine Texte ausnahmslos in Handschrift gestaltet. In einem kurzen Interview erzählt uns Boris Bromberg wie viel Wahrheit hinter seinen Geschichten steckt.

 

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TWN: Gleich am Anfang deines Buches, auf den Seiten auf denen du die Kinder vom Schulhof aus der Hornstraße vorstellst, muss ich an die üblichen Abitreffen denken. 10 Jahre, 20 Jahre später… was ist aus all den Charakteren geworden mit denen man zur Schule gegangen ist? Gibt es den Gerri, den Franz, die Vanessa und all die anderen wirklich?
BB: „In echt“ gab es davon keinen. Obwohl viele meiner Freunde glauben darin Leute von früher wiederzuerkennen, sind die Figuren alle frei erfunden. Aber wenn man mal ehrlich ist, so’n Hallodri wie den „scheißenden Frank“ hatte doch jeder in seiner Grundschulklasse.

TWN: Was ist mit den anderen Geschichten? Wie viel ist echt und wie viel ist erfunden?
BB: Auch wenn man sagt, dass die besten Geschichten das Leben selbst schreibt, muss ich alle enttäuschen, die daran geglaubt haben. Auch hier ist wieder alles frei erfunden. Trotzdem gibt das Leben zumindest die besten Denkanstöße. Im Prinzip hab ich die Ideen für die Geschichten alle irgendwo im Alltag aufgeschnappt und wenn’s auch nur der Name „Hannes Stecker“ war.

 

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 Als Kind war ich verliebt in Rudy aus der Bill Cosby Show und Fan von den Ärzten…

 

TWN: Und wer bist du? Auf deiner Homepage erfährt man wenig über dich. Wer ist Boris Bromberg, wer ist Yeye Weller und wer ist Lumen von Borsody?
BB: Alles ein und die selbe Person. Eigentlich wollte ich ja immer Musiker werden und auf Tour gehen. Doch inzwischen bin ich ganz froh, dass ich Illustrator geworden bin und in meinem Atelier ganz in Ruhe arbeiten kann. Mittlerweile ist es ja in Mode gekommen an dieser Stelle ganz stolz Sachen aufzuzählen, die man nicht kann. Z.B. ich kann nicht tanzen, kochen oder ganz schlecht Witze erzählen. Das mache ich aber nicht, weil es eigentlich keinen interessiert. Als Kind war ich verliebt in Rudy aus der Bill Cosby Show und Fan von den Ärzten, heute lebe ich in Münster und bin Fan vom SCP.  Interessiert zwar auch keinen, ist aber vielleicht in ein paar Jahren mal ganz hilfreich als unnützes Wissen.

TWN: Wie kam die Idee zu diesem Buch?
BB: Die Idee hatte ich schon ewig. Doch im Gegensatz zu meinen meisten anderen Ideen gab es hier, mit der Bachelorarbeit, einen Grund sie umsetzen. Trotzdem muss man an dieser Stelle nochmal ganz klar die Jahrbücher von Beltz & Gelberg aus den 80ern nennen, die mir in Sachen Humor und Kinderbuch erst gezeigt haben, wo der Hase lang läuft.

 

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… Zitat eines ausländischen Fußballprofis,…

 

TWN: Was bedeutet der Titel „Die Finger an den Füssen“?
BB: Der Titel ist relativ bedeutungslos. Er ist eigentlich ein Zitat eines ausländischen Fußballprofis, der kein besseres Wort für Zehen parat hatte. Gleichzeitig beinhaltet das Zitat genau die Art von Humor und liebenswerte Naivität, die ich mir für das Buch gewünscht hatte. Deshalb habe ich meinen Arbeitstitel dann auch direkt zum Titel des Buches gemacht.

TWN: Wer sind deine Vorbilder? Gibt es Illustratoren die du richtig gut findest?BB: Aber klaro, es gibt fast täglich neue Leute, die ich abfeier. Als Kind hab ich die Sachen von Nikolaus Heidelbach und F.K. Waechter geliebt. Momentan find ich zum Beispiel Riikka Laakso aus Berlin ganz toll.

TWN: Gibt es weitere Projekte? Woran arbeitest du derzeit?
BB: Momentan arbeite ich an einem kleinen Risoprint-Heftchen. Wer was auf sich hält, muss mal Risoprint gemacht, da wollte ich natürlich auch nicht aus der Reihe tanzen. Der Titel wird lauten „Die Bringschuld vom Lande“. Inhaltlich geht es wieder um schlechte Gags und schöne Bilder.

TWN: Kann man deine Illustrationen auch kaufen?
BB: Das wurde ich in letzter Zeit immer häufiger gefragt, deshalb gibt es jetzt eine kleine Kooperation mit juniqe. Hier findet man neuerdings zumindest eine kleine Auswahl meiner Sachen.

 

 

Lieben Dank für das Interview Boris, Yeye und Lumen!

 


 

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„Die Finger an den Füssen“
Boris Bromberg
Verlag Kettler (12. Oktober 2015)
ISBN: 3862065138