ART, Artists we love

Artist we love: Tanja Hirschfeld

 


 

„Das war einer dieser Tage, wo du spüren kannst, dass sich eine Richtung in deinem Leben ändert.“


 

Die Werke von der Künstlerin Tanja Hirschfeld habe ich auf einer Kunstmesse in München entdeckt und war total fasziniert. Von den Farben, den Masken in den Bildern, der Handarbeit. In einem Interview erzählt mir Tanja dann, wie sie zu ihrer ersten Ausstellung kam. In LA nämlich, durch einen Zufall. Es war scheinbar Schicksal, denn von da an hat ihr Leben eine andere Richtung eingenommen.

 

Du hast italienische und deutsche Wurzeln. Was verbindest du mit Deutschland und was mit Italien?

Ich weiß die Vorzüge beider Kulturen sehr zu schätzen.
Deutschland vermittelt mir das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ich mag die Nachdenklichkeit und der Pragmatismus der Deutschen, ihr Gefühl für Gerechtigkeit und ihre Gewissenhaftigkeit. Die Deutschen gehen verantwortungsbewusst mit Erinnerungen um.
Deutschland ist ein sattes, dunkles, beruhigendes Grün.
Italien ist Emotion, Lust, Passion, Taumel. Ein chaotisches Wirrwarr an Temperament.
Dabei stehen die Familie und die geliebten Menschen immer im Vordergrund. Es ist ein buntes Miteinander, begleitet von Emotionalität und der Liebe zum Leben.
Wenn ich an Italien denke, sehe ich ein Potpourri aus bunten Mustern und Farben.

Wie stark beeinflussen beide Länder und Kulturen deine Arbeiten?

Meine eigene Zerrissenheit zwischen beiden Kulturen spiegelt sich in meiner aktuellen „Culture Mix“ Serie wider. Ich mixe unterschiedliche Kostüme und Masken in einer Figur und verbinde somit fremde Kulturen miteinander. Das Ergebnis finde ich immer wieder aufs Neue sehr spannend.

Was fasziniert dich an den Masken?

Ich habe mich schon immer für Masken und Kostüme interessiert.
Masken gibt es in allen Kulturen, seit über 10.000 Jahren. Sie kamen immer bei Wendepunkten des Lebens zum Einsatz, bei Hochzeiten, Geburt, Krankheit, Tod und wurden meist von Ritualen begleitet. Sie haben etwas Magisches, aber auch etwas Unheimliches. Genau die beiden Komponenten, die mir bei der Wirkung meiner Bilder wichtig sind.

Sind die Menschen in deinen Werken Abbildungen realer Personen?

Meine Figuren sind alle fiktiv. Ich kreiere mein eigenes Figurenkabinett, oftmals majestätische Frauencharaktere.

Mit welcher Technik arbeitest du genau?

Ich arbeite in Öl auf Leinwand, in der sogenannten Lasurtechnik, bei der man sich Schicht für Schicht vom Dunklen ins Helle hoch arbeitet.
Das ist sehr aufwendig, bei einem Bild der Größe 1m x 1m kann das schonmal 4-6 Wochen dauern. Glücklicherweise gibt es heute Trocknungsbeschleuniger, somit trocknen die dünnen Schichten bis zum nächsten Tag.
Wenn ich hingegen zeichne, mag ich besonders gerne die Technik der Monotypie. Das ist eine sehr malerische Art zu zeichnen. Man arbeitet mit Tinte oder Linoldruckfarbe, die man auf eine Glasplatte aufträgt. Wenn man nun das Papier darauf legt und auf die Rückseite zeichnet, drückt sich von unten die Farbe aufs Papier. Dadurch entsteht je nach Papier oder Farbauftrag eine sehr grafische, manchmal sehr malerische Zeichnung.

Wie ist dein Werdegang? Seit wann malst du und wie bist du zur Kunst gekommen?

Als Mädchen habe ich immer davon geträumt einmal auf der Kunstakademie in Rom zu studieren, dann kam doch alles anders und ich habe Grafikdesign in München studiert, aber das Interesse für die Kunst habe Ich schon von klein auf gehabt. Ich liebte es in Kunstmuseen vor den großen Meisterwerken zu stehen, und mir vorzustellen wie der Maler damals sein Bild malte. Es war eine Verbindung zu einer anderen Zeit, und mit meiner Fantasie konnte ich mich da gut hineinversetzen. Es war eine wunderbare Flucht aus der Realität. So wie andere in Filme oder Bücher geflüchtet sind, habe ich mich gern in Bildern verloren.
Erst 2015 habe ich begonnen in Öl zu malen.
Ich bekam einen Ölmalkurs geschenkt, damit hat alles begonnen.
Ich habe schon immer gezeichnet, aber ich wußte nicht, dass ich malen kann.
Es war ein großartiges Erlebnis, diese Fähigkeit zu entdecken.
Es hat mich nicht mehr losgelassen, seitdem mache ich nichts anderes mehr, ich habe sogar meinen Beruf als Grafikdesignerin aufgegeben.
Die Entscheidung, die Malerei als Beruf anzugehen, hatte bereits 2014 in Los Angeles Form angenommen. Damals habe ich noch nicht realistisch in Öl, sondern grafisch/illustrativ in Acryl gemalt, wir haben dort 6 Wochen Sommerurlaub verbracht und ich war im Malfieber. Eines Abends habe ich einen Galeristen in einer Bar kennengelernt, der mir erzählte, dass er in einer Woche seine Galerie mitten in Hollywood eröffnen würde. Ich habe ihm auf dem Handy meine Bilder gezeigt und er lud mich ein, bei der Eröffnungsausstellung mitzumachen. Es war meine allererste Ausstellung, ich war unglaublich aufgeregt. Das war einer dieser Tage, wo du spüren kannst, dass sich eine Richtung in deinem Leben ändert.

Was macht dich glücklich?

Es macht mich tatsächlich sehr glücklich, wenn ich es geschafft habe, meine Bilder für eine Ausstellung fertig zu bekommen!
Das ist jedes Mal ein Wettlauf mit der Zeit, und inzwischen richtig harte Arbeit. Mit Nachtschichten, Einigeln, keine Freunde mehr sehen, wenig Schlaf usw.
Ich bin sehr glücklich, wenn ich nach getaner Arbeit meine zwei Kinder und meinen Mann sehe. Das ist das größte Glück in meinem Leben: meine Familie.

Woher schöpfst du deine Inspirationen?

Mein Kopf ist ständig voller Bildmotive. Da passiert eine ständige Diashow, die von meiner alltäglichen Umgebung generiert wird.
Es geht nicht nur um das Sammeln von optischen Reizen, es sind viel mehr Stimmungen, Nachrichten und Erzählungen von Freunden, und das Treffen von neuen Personen.
Das Reisen ist für meine Kunst auch sehr wichtig, das Kennenlernen und Spüren von anderen Kulturen erfüllt mich und gibt mir neue Impulse. Oft kommen diese erst an, wenn ich wieder zu Hause bin und alle Eindrücke verarbeitet habe.

 


Tanja Hirschfeld

www.tanjahirschfeld.com

Instagram: @tanjahirschfeld_artist
Facebook: Tanja Hirschfeld

 


Fotos: ©Tanja Hirschfeld