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Documenta 14 – Warum alles halb so wild ist

Kassel Documenta 14 Maria Hassabi

 

Vor wenigen Tagen hat die 14. Ausgabe der weltweit wichtigsten Kunstschau begonnen. Die Documenta 14 in Kassel. Alle 5 Jahre zeigen wechselnde Kuratorinnen und Kuratoren das, was gerade in der Kunstszene wichtig ist oder durch die Documenta wichtig wird. Erstmalig gab es einen zweiten Documenta Standort, der schon vor der eigentlichen Documenta 14 in Kassel die teilnehmenden Künstler zeigte. Das war in Athen.

Für den diesjährigen Chefkurator Adam Szymcyk lautete das Motto „Lernen von Athen“. Sein Ansatz: eine politische Documenta. Er möchte raus aus dem kunterbunten, fröhlichen Kunstgarten und rein in die politische Weltlage mit dem Syrien Konflikt, dem zunehmenden Rechtspopulismus und dem ausser Rand und Band geratenem Neoliberalismus. So und ähnlich positionierte er sich auf den Pressekonferenzen und betonte, dass er die Documenta als gesellschaftliches Experiment in der sich zuziehenden politischen Weltlage sieht. Er sieht die Welt als eine Welt der Angst, nicht der Hoffnung. Und Angst ist bekanntlich die stärkste Währung des Neoliberalismus. Angst lässt sich viel leichter provozieren als Sehnsucht und Freude. Grundsätzlich möchte Adam Szymcyk mit der Documenta 14 keine moralische Anklage schaffen, sondern uns eher zum Nachdenken über die Demokratie anregen. Mit einem schweren Gefühl und Sorge habe ich mich auf den Weg nach Kassel gemacht.

Jedoch entgegen aller Befürchtung, dass es eine düstere, dunkle Documenta wird mit Untersuchungen und Fragen nach Leid, Hoffnungslosigkeit, Krieg, Ungerechtigkeit, Armut, Misshandlung, Terror, Angst, Zerstörung und Gewalt wird, zeigte sich die Kunstschau ruhig und voller Hoffnung, Zusammenhalt, Perspektivwechseln, Freude und Schönheit. Es war eher ein „Wir schaffen das“, als ein duckt euch, es ist aussichtslos. Alles also halb so wild!

Das wir uns jedoch nicht in einem „kunterbunten Kunstgarten“ befinden, wurde mir spätestens dann klar, als der Spaziergang durch die Karlsaue in diesem Jahr durch einen Rundgang durch die Nordstadt, dem Brennpunkt Kassels, ersetzt wurde. Kein Lustwandeln bei den doch perfekten Temperaturen über die 1,5 Quadratkilometer große, straff strukturierte und äußerst barocken Grünfläche, die sich als Gegenpol zu dem pseudo-natürlichen Bergpark Wilhelmshöhe versteht. In der betongrauen Nordstadt befinden sich in diesem Jahr also neben den üblichen Schauplätzen der Documenta, wie dem Fridericianum, der Documenta Halle, dem Friedrichsplatz, der Neuen Galerie und dem Palais Bellvue, 10 wichtige Schauplätze. In der Karlsaue sind lediglich 4 Künstler platziert. So weit so schade. Aber man ist ja nicht zum Spaß hier, denn es geht um die weltpolitische Lage und dass ist auch gut so. Somit hat es alles seinen Sinn, aber das war auch nicht anders von Adam Szymcyk zu erwarten, was sehr zu schätzen ist.

Insgesamt ersteckt sich die Documenta 14 letztendlich über 32 Schauplätze, für die mehrere Tage zur Entdeckung eingeplant werden müssen. Ich habe mich an Tag 1 und 2 auf der Documenta 14 umgesehen, lange nicht alles geschafft, viel Kunst gesehen, viel nachgedacht und entgegen all meiner Befürchtungen, bin ich mit einem hoffnungsvollen, gestärktem Gefühl wieder nach Hause gefahren. Die Lage ist kritisch, aber nicht aussichtlos. Wir müssen zusammenhalten, uns respektieren und offen sein, denn…

Ignoranz ist eine Tugend!

 


 

In der nächsten Woche erscheint unser Artikel „Documenta ARTISTS WE LOVE and met“, indem ich euch von 4 Künstlern der Documenta 14 erzähle, die ich an 4 wichtigen Schauplätzen getroffen und gesprochen habe. 

Und auf unserem extra für die Documenta 14 eingerichteten Instagram Accout @thewhynot_visiting_documenta14 habt ihr die Möglichkeit noch viel mehr zu entdecken. Über die 100 Tage Laufzeit stellen wir euch unsere Lieblingsorte, unsere Lieblingswerke und ganz viel Wissenswertes der Documenta 14 vor.

 

 


Foto: ©Carolin Samson – Live-Installation „Staging: Pink Floor“ von Maria Hassabi

Mehr über Maria Hassabi auch in unserer Rubrik „Artist we love“.