ART, Artists we love

Artist we love: Linda Männel

Linda Männel

 


„Mein Atelier ist für mich ein Sehnsuchtsort, an dem ich täglich bin und nie genug sein kann.“


 

Stickereien, das Arbeiten mit Wolle und das Handgemacht, ist in der Kunst sehr weiblich belegt und gibt den Werken eine feine Sensibilität, die nur Künstlerinnen schaffen können. Linda Männel arbeitet mit der Technik des Überstickens und lässt so enorm aufwändige und beeindruckende Werke entstehen. Inspiriert jedoch von dem stickenden Mann aus einer Kurzgeschichte von Ingrid Noll. Ich kenne ihre Arbeiten aus Nürnberg und wollte endlich mehr zu ihren Hintergründen erfahren.

 

Linda Männel

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Linda Männel

Linda Männel

 

Ich kennen deine Arbeiten aus deinem Atelier in Nürnberg und war sofort von ihnen angezogen. Ich selber arbeite mit Stickereien auf Leinwänden und in Collagen, was sich aus meinem Studium der Textilen Gestaltung entwickelt hat. Wie bist du dazu gekommen?
In meiner Studienzeit an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg habe ich meist mit schwarzer Tusche auf Papier gemalt und die entstandenen Szenen mit Aquarellfarbe oder farbiger Tusche koloriert. Die Ästhetik kolorierter Schwarz/Weißfotos war es, die meine Verwendung von Farbe dominiert hat. Meine Farbpalette war immer schon eher gedeckt pastellfarben, als knallig, oft nur ein Farbhauch. Als ich nach dem Abschluss des Studiums plötzlich im eigenen Atelier stand, hatte ich eine Menge alter schwarz/weiß Studien auf Leinwänden. Sie wegzuwerfen fand ich zu schade, gleichzeitig aber nicht gut genug, um sie auszustellen. Da ich ausschließlich mit Tusche male, fiel auch das Übermalen als Option weg. Eines Abends las ich eine Kurzgeschichte von Ingrid Noll über einen stickenden Mann und hatte dabei die Idee, es mit Übersticken zu versuchen. Also kaufte ich am nächsten Tag alle Garne, die es im örtlichen Kurzwarengeschäft gab und überstickte das Bild kreuz und quer mit Wolle. Das Ergebnis war für meinen Geschmack viel zu bunt und abstrakt, aber objekthaft und interessant. Mit einer gewissen Entfernung konnte man das ursprünglich gemalte Bild noch so eben erkennen, was mich faszinierte. Die nächsten Bilder, in denen ich diesen Effekt bewusst einsetzte, zeigten eine Ahnengalerie fast vergessener Urgroßtanten und Verwandter, die nur noch mit Namen und ein, zwei Fotos in alten Familienalben auftauchten. Sie so zu porträtieren, dass man sie unter einem Schleier des Vergessens gerade noch erahnen kann, fand ich sehr passend.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Arbeiten?
Spontan, meistens in Momenten, in denen ich am wenigsten an Kunst denke. Das kann ein Blick in die Wolken sein, ein Gespräch mit einer beeindruckenden Persönlichkeit, Fragmente eines Traumes oder die Farbkombination eines Kleides in einem Geschäft. Vage Ideen, die ich dann durch Zeichnungen und Skizzen ausarbeite und die mit der Zeit immer konkreter werden. Da meine Technik sehr zeitaufwendig ist, zuerst male ich das Motiv in schwarzer Tusche auf Leinwand, als Nächstes färbe ich das Garn in den Farben, die das Bild einmal haben soll und übersticke es anschließend, muss das Motiv zu Arbeitsbeginn fest stehen, spontane Abwandlungen sind nur noch bedingt möglich.

Wann war für dich das erste Mal klar, dass du als Künstlerin arbeiten möchtest?
Sehr klischeehaft habe ich eigentlich immer schon sehr viel und sehr gerne gemalt. In der fünften Klasse des Gymnasiums hat mir mein Kunstlehrer das Kunststudium vorausgesagt, meine Prioritäten waren damit klar gesteckt.

Wie gehst du mit einem kreativen Loch um?
Leider bzw. zum Glück habe ich zu wenig Zeit um all die Ideen umzusetzen, die ich habe. Also existiert ein umfangreiches Notizbuch voller Ideen und Skizzen, das nur auf ein kreatives Loch wartet. Ansonsten hilft es auch sehr, sich mal Auszeiten zu gönnen und nur in den, vorzugsweise spanischen, Himmel zu starren.

Und was passiert mit dir, wenn du dann in einen, wir nennen es, Artist Flow kommst? Wie fühlt sich das für dich an?
Furchtbar aufregend! Ich kann es kaum erwarten das fertige Bild zu sehen und freu mich wahnsinnig, wenn es Gestalt annimmt. Durch das langwierige Übersticken des jeweiligen Bildes sieht man nur langsam Fortschritte. Es kann passieren, dass ich das Bild nach einem vollen Arbeitstag betrachte und kaum eine Veränderung zum Vortag sehe, obwohl acht weitere Stunden Arbeit darin stecken. Mein Atelier ist für mich ein Sehnsuchtsort, an dem ich täglich bin und nie genug sein kann.

Ist es für dich einfach, dich von deinen Arbeiten zu trennen und sie in andere Hände zu geben?
Es kommt auf die Arbeit an. Es gibt Bilder, die eine Art „Schlüssel“ zu einer neuen Werkreihe darstellen oder besonders viel Zeit beansprucht haben und damit auch sehr viel von meiner Lebenszeit und Gedankenwelt beinhalten. Solche Werke gebe ich nur in gute Hände und behalte mir es auch mal vor „bereits reserviert“ mitzuteilen, wenn die Chemie mit den Interessenten nicht stimmt. Hat so ein Bild dann aber seinen Liebhaber gefunden, kann ich es gut abgeben und lasse mir anschließend Fotos von der Arbeit an ihrem endgültigen Platz schicken. Seltsam ist es, wenn eine Arbeit direkt nach dem Fertigstellen verkauft wurde und man sie noch nicht auf sich wirken lassen konnte. An diese Bilder denkt man mit Wehmut zurück und sieht man sie auf Fotos, kommen sie einem mit der Zeit fremd vor.

Was ist dein größter Wunsch als Künstlerin?
Es gibt ein paar Städte, in denen ich gerne ausstellen würde. Es ist großartig, durch eine Ausstellung in eine fremde Stadt zu kommen und sie nach und nach in Besitz zu nehmen. Dadurch, dass man ja nicht nur mit leichtem Gepäck reist, sondern mit seinen Bildern in eine Ausstellungssituation „einzieht“, lässt sich das Fremdsein schnell überwinden und man wird Teil des Kulturlebens der jeweiligen Stadt. Ansonsten bin ich recht zufrieden – weiter unbeschwert arbeiten zu können und frei zu sein, das zu tun zu können, was mir die liebste Beschäftigung ist, wäre vermutlich mein größter Wunsch.

 

Linda Männel


Linda Männel

www.linda-maennel.de
Instagram @lindamnnl

 

Nächste Ausstellung:

4. März – 1. April 2018
Linda Männel & Meike Männel
the sun is the same in a relative way
Galerie Bernsteinzimmer Nürnberg

4. April – 26. April 2018
Linda Männel & Birgit Nadrau
Porträts
Kunstverein Erlangen

 

 


Fotos: © Linda Männel