ART, Artists we love

Artist we love: Daniel Engelberg


„Erst im Laufe meiner Ausbildung zum Holzbildhauer habe ich das unerschöpfliche Potenzial gespürt, das in dem Thema liegt. Ich konnte nicht anders, als das zu erforschen.“


 

Daniel Engelberg arbeitet als Bildhauer, auch wenn seine Arbeiten häufig wie Malereien wirken, nicht zuletzt, weil er sie zum Teil im Rahmen präsentiert. Seine Objektbilder scheinen genau überlegte, komponierte und arrangierte Flächen zu sein, die er farblich und geometrische nuanciert in eine Drei-D-Gestalt bringt. Sie wirken collagenartig zusammengesetzt, denen man eine Poesie entlocken möchte.

Um dem nun auf die Spur zu kommen, habe ich Daniel ein paar Fragen zu seinen Arbeiten und seinem Schaffen als Künstler gestellt:

 

 

 

Wo lebst und arbeitest du zurzeit?
Ich lebe in Sendling, nur wenige Schritte von der Isar entfernt. Mein Atelier befindet sich in Giesing. Das ist recht praktisch, da es leicht mit dem Fahrrad erreichbar ist.

 

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Ich arbeite in einem großen Raum mit vielen Fenstern. Besonders schönes Licht fällt vom Dachfenster herein. Die Regale sind voller Farben und Werkzeuge. Einen festen Tisch habe ich nicht, da ich auch immer wieder viel Freifläche brauche. Also baue ich Tische nur nach Bedarf auf Böcken auf. Zum Heizen gibt es einen Holzofen. Im Nachbaratelier wird ab und zu Bier gebraut, weshalb dann würziger Hopfengeruch in der Luft liegt.

 

Wie bist du zur Bildhauerei gekommen?
Nach dem Abitur habe ich erst mal den Zivildienst gemacht und im Anschluss ein Soziologiestudium begonnen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir das alles viel zu theoretisch ist und ich viel lieber etwas mit meinen Händen machen möchte. Eines Tages sah ich im Zwischengeschoss der U-Bahnhaltestelle „Universität“ einen Schaukasten mit Tiermasken aus Holz geschnitzt. Es war eine Werbung der Holzbildhauerschule München. Ich war begeistert. Sicherlich profan im Vergleich zu meinem Studium. Aber das hat mich berührt. Das Studium nicht. Ich entschied also mich dort zu bewerben. Damals habe ich viel gezeichnet, aber ohne ein konkretes Ziel. Erfahrungen in der Bildhauerei hatte ich keine. Bei der Aufnahmeprüfung war ich entsprechend nervös. Aber ich habe bestanden und lernte den Beruf bis zur Meisterprüfung. Gestalterisch und inhaltlich war mir die Holzbildhauerei allerdings zu eingeschränkt und so ging ich zum Studium an die Akademie der bildenden Künste in Nürnberg zu Prof. Claus Bury. 2010 wechselte ich an die AdBK München und absolvierte 2013 mit dem Diplom.

 

Wolltest du schon immer Künstler werden?
Ich denke, das war schon immer in mir drin. Aber erst im Laufe meiner Ausbildung zum Holzbildhauer habe ich das unerschöpfliche Potenzial gespürt, das in dem Thema liegt. Ich konnte nicht anders, als das zu erforschen.

 

Was erzählst du oder untersuchst du mit Arbeiten? Worum geht es dir?
Der Prozess und die Weiterentwicklung der Arbeit sind eigentlich gleichzeitig der Inhalt. Man folgt stetig einem imaginären roten Faden. Auch wenn man das Ziel nicht kennt, merkt man, ob man auf der richtigen Spur ist, oder eben nicht. Angefangen hat alles mit dem Thema Architektur. Häuser und Konstruktionen, losgelöst aus dem normalen Kontext sie als reine Objekte zu betrachten, fand ich spannend. Ich folgte den Linien der modularen Aufbauten und untersuchte die Vielschichtigkeit von Baumaterialien. Geometrie und Statik verbunden durch Material und Arbeitstechniken – das wollte ich auf meine Weise widerspiegeln.

 

Du verwendest Materialien wie Holz, Beton, Styropor, Epoxidharz oder PVC. Was reizt dich an den Materialien? Warum nutzt du gerade diese Materialien für deine Arbeiten? Und benötigst du schwere Gerätschaften, wie zum Beispiel Fräsen etc.?
Das sind alles Materialien aus dem Baubereich. Gerade der Zeitpunkt, an dem ein Gebäude noch völlig roh als Baustelle offengelegt ist, reizt mich besonders. Man sieht quasi in das Innere der Architektur. Diese Werkstoffe haben eine tolle Ästhetik, die jedoch ephemer ist, da ja alles abschließend verputz und verschalt wird. In meinen Bildern will ich diesen Moment der Offenheit festhalten. Es geht um eine Gegenüberstellung von Wertigkeiten. So bringe ich rohe Werkstoffe zusammen, bis sie eine Harmonie erreichen, die im künstlerischen Kontext verstanden werden kann. Ja, für die Arbeiten sind viele Werkzeuge nötig. Es wird gesägt, gefräst, gebohrt … Aber auch viel am Computer entwickelt. Also eine extrem abwechslungsreiche Arbeit.

 

2017 warst du für zwei größere Projekte in Hamburg. Einmal für ein Projekt im DESY Forschungszentrum in Bahrenfeld und einmal im Gängeviertel. Was hat dich nach Hamburg geführt und bist du noch häufig dort unterwegs?
Mein sehr guter Studienfreund Marcel Große zog nach dem Studium nach Hamburg. Ich habe schon oft mit ihm gearbeitet und so haben sich einige Projekte mit ihm zusammen in Hamburg aufgetan. Wir hatten bereits Ausstellungen in Leipzig, Dresden, München, Hamburg und China. Unsere letzte Ausstellung war 2017 in der Kunsthalle Kempten, wo wir das Kunsthallenstipendium gewonnen haben.

 

Welche Künstlerinnen oder Künstler schätzt du?
Manfred Pernice und Imi Knoebel

 

Hast du neue Projekte oder Ausstellungen, die demnächst anstehen?
Durch meine letzten Messeauftritte sind einige Aufträge zustande gekommen, welche momentan umgesetzt werden. Im Sommer ist dann eine Ausstellung in einem Projektraum in München und im Herbst gehe ich auf die Discovery Artfair Frankfurt. Bis dahin werde ich nochmal eine ganz neue Serie von Arbeiten anfertigen.

 

 

 


Daniel Engelberg

www.danielengelberg.de

Instagram: @engelbergdanieljoe79

 

Am kommen Dienstag, den 9. Juli 2019, eröffnet Daniel seine Ausstellung  BEYOND COLOR im Üblacker-Häusl in München.
Ausstellungsdauer: 10. Juli – 4. August 2019
Öffnungszeiten: Mi. und Do. 17 – 19 Uhr, Fr. und So. 10 – 12 Uhr

Üblacker-Häusl
Preysingstrasse 58, 81667 München
www.facebook.com/ueblackerhaeusl


Fotos: @Daniel Engelberg