ART, Artists we love

Artist we love: Xander Ferreira

 


Why Not?!

Musiker, Fotograf, Kunstfigur und vor allem Mensch sein…


 

Auf einer Farm an der Grenze zu Mozambique aufgewachsen, Visual Art an einer Kunsthochschule studiert, als Fotograf Modestrecken und Werbekampagnen realisiert, als DJ das Chateau Marmont mit afrikanischen Discosounds versorgt und heute hauptsächlich bekannt als Musiker und extravaganter Bühnen-Performer: Xander Ferreira ist Kunstfigur und Weltenbummler zugleich. Ein Südafrikaner in New York. Und nicht zuletzt ein alter Freund von uns, dessen Wege wir immer wieder kreuzen. Gerade sind wir über sein neustes Musik-Projekt „Xander Ferreira & The True Tones“ gestolpert. 60’s Pop, Soul, Afrofunk mit elektronischem Anstrich. Made in Brooklyn, inspired by Africa. Wir nehmen dies zum Anlass euch den 35-jährigen Künstler einmal genauer vorzustellen.

Xander Ferreira by Mats Bakken-1

Zeitgenössische Sounds treffen auf traditionelle Afrikanische Inspiration – nicht nur in seiner Musik, auch Xander selbst verkörpert ein Leben zwischen diesen Welten.

Ein Interview über Menschlichkeit, afrikanische Inspiration, Good Vibes und nicht zuletzt ganz viel Style.

Man beschreibt dich als Konzept-Künstler. Was genau bedeutet das in deinem Fall?
X.F.: 
Mein Leben war und ist eine Reise – entdecken, lernen, experimentieren, kreieren, teilen. Mit Anfang 20 entflammte meine Liebe zur Photographie, die mich in die Welt der Werbung und Mode eingeführt hat. Irgendwann verlor ich dann die Leidenschaft dafür und wollte nachhaltigere und bedeutungsvollere Inhalte schaffen. Ich entwickelte eine Idee für mein erstes Gesamtkunstwerk im Bereich Kunst und Musik namens „The Satus of Greatness“. Eine sozial-politische Studie quasi, warum Menschen auf starke Persönlichkeiten und Brands reinfallen und welche Strategien dahinter liegen. Ich schuf die Kunstfigur Gazelle, eine Persiflage auf afrikanische Diktatoren und ihre Strategien. Ich nutze die Musikindustrie als Werkzeug um die Kraft und Möglichkeiten einer solchen Figur zu testen. Die Sache entwickelte sich zunächst zu einem sehr berühmten Projekt in Südafrika, inzwischen durfte ich schon an allen möglichen Orten auf der Welt als Gazelle performen.

Du bist ein Südafrikaner, der in New York lebt, aber auch viel Zeit in Europa verbracht hat. Was würdest du sagen – wer bist du?
X.F.: 
Zuallererst bin ich ein Mensch. Grundsätzlich sollte sich jeder zuerst als Mensch sehen, bevor er sich mit seiner Rasse oder Kultur identifiziert. Natürlich sollten wir unsere Verschiedenheiten auch zelebrieren, nichtsdestotrotz haben wir alle die gleichen fundamentalen Bedürfnisse. Insgesamt gibt es mehr Übereinstimmungen als Unterschiede. Somit ist es traurig, dass Letztere für so viele Konflikte sorgen. Aber ja, ich bin Südafrikaner in der 10. Generation, geboren in Afrika, von portugiesischer, dänischer und britischer Abstammung. Und oh ja, seit New York mein neues zu Hause ist, werde ich auch ein wenig Amerikaner. Ich denke aber eh, dass jeder Ort auf der Welt für alle Menschen zugänglich sein sollte. Wie dämlich sind bitte all die Grenzen, die die Menschen in den letzten Jahrhunderten gezogen haben und die Papierschlacht, die es benötigt, um diese Grenzen zu überqueren?

Was ist das Allerwichtigste, das du als Kind gelernt hast?
X.F.: 
Ich habe die Natur und das Tagträumen kennengelernt. Die Natur ist der größte Lehrer, den wir überhaupt finden können. Und das Tagträumen verbindet uns mit unserem Innersten und führt uns so auf eine neue Ebene.

Welche sind die wichtigsten Schritte in deiner persönlichen Historie?
X.F.: 
Ich denke sie hatten alle mit Wettbewerben zu tun. Mit 18 gewann ich ein Stipendium um an einer Kunsthochschule zu studieren und kürzlich gewann ich die Greencard, die mich dauerhaft nach New York brachte.

Erzähl uns etwas über die größten Unterschiede zwischen Südafrika und Europa / USA, bezogen auf Mode und Style.
X.F.: 
In meinen Augen kreiert die sogenannte Erste Welt Dinge mit Hilfe von Kapital, die Dritte Welt kreiert Dinge mit Hilfe von Nichts. Obwohl einige Technologien sicher Erfolg haben in der Ersten Welt, können sie meiner Meinung nicht mithalten mit Innovation auf einem echten Level sozusagen, die in der Dritten Welt realisiert wird. Komplexe Probleme zu lösen ohne Ressourcen oder konventionelle Ausbildung. Manchmal führt zu viel Technologie eben nicht zu dem besten Ergebnis.

Wie wichtig ist deine Herkunft für deine Karriere?
X.F.: Jeder von uns hat seine ganz eigene Handschrift, die unsere Wurzeln widerspiegelt. Meine südafrikanische Vergangenheit ist in allem, was ich tue. Ich lasse den afrikanischen Busch in meiner Kunst leben und verbinde mich in meiner Arbeit mit diesem Teil von mir.

xander ferreira - gazelle -musician

Was waren deine Träume als wir uns vor ungefähr 10 Jahren das erste Mal über den Weg liefen? Und wovon träumst du heute?
X.F.: Damals ging es mir darum, meine Photographie zu pushen. Ich wollte die Bilder, die mich begeisterten, an renommierte Magazine oder Kunden verkaufen. Diese finanzierten mir dann meine Reisen. Heute geht es mir mehr darum, ein Leben zu schaffen, in dem ich unerschütterliches Glück empfinde. Damit meine ich nicht die kurzen Glücksmomente, sondern etwas Beständiges. Das schafft man, indem man die Welt um sich herum immer wieder positiv beeinflusst und Symbiosen in seinem Umfeld kreiert.

Was brauchst du um dich zu inspirieren?
X.F.: Natur, Mentoren, Good Vibes.

Welches sind deine Lieblings-Künstler?
X.F.: 
Davinci, Dali, Jean Cocteau, Man Ray, Michael Heizer, Andy Goldsworthy, Robert Smithson, Joseph Buys, Agnes Martin, Nina Simone, Roy Orbison, Bob Marley, Fela Kuti, Freddy Mercury, James Brown.

Du hast ein Projekt namens „The Happy Show“ ins Leben gerufen. Was verbirgt sich dahinter?
X.F.: 
Das Ganze begann, als mein Freund und wundervoller britischer Sänger Findlay Brown und ich plötzlich zeitgleich in New York lebten. Wir wollten eine Partyreihe ins Leben rufen, auf der wir wieder auflegen konnten. Wir beide arbeiteten an neuen Musikprojekten, suchten aber nach einer Möglichkeit den Menschen da draußen gute Vibes zu bringen. Wir beide lieben afrikanische Musik der 60er und 70er Jahre, also starteten wir im Le Baron in New York. Es hat sich zu etwas ganz Speziellem entwickelt und wurde richtig erfolgreich. In den letzten Jahren wurden wir an so vielen tollen Orten und Venues gebucht, wie zum Beispiel dem Chateau Marmont in Los Angeles, dem MNROY in Mexico City, dem Datcha in Montreal und dem Soho & Tribeca Grand in New York. Momentan treten wir regelmäßig im Congo Club of Output in Brooklyn auf und haben inzwischen eine wahnsinnige Fangemeinde geschaffen. Kürzlich haben wir sogar die erste „The Happy Show“ EP (Minialbum) aufgenommen, die dieses Jahr veröffentlicht wird.

Was macht dich glücklich?
X.F.: 
Wenn ich andere glücklich machen kann.

Was macht dich unglücklich?
X.F.: 
Gier, Egoismus und Menschen, die andere bevormunden.

Wie wichtig ist die Bühnen-Performance für dich?
X.F.: 
Das ist etwas, was ich wirklich lieben gelernt habe. Der Austausch zwischen dem, was du auf der Bühne tust, und dem Publikum ist absolut unbeschreiblich.

Wenn du die Welt regieren dürftest, was würdest du als erstes tun – in Bezug auf Style?
X.F.: 
Den Konsum-Teufelskreis in der Mode beenden, in dem es nur darum geht so viele Kollektionen wie möglich in ein Jahr zu quetschen. Ich würde nur noch Qualitätsprodukte erlauben, die mit der besten Handwerkskunst geschaffen wurden und ein Leben lang halten.

Was ist dein persönliches Ziel für die Zukunft?
X.F.: 
Die beste Version von mir selbst zu werden.!

Auf das unsere Wege sich bald wieder kreuzen!

Gazelle by Jacques Naude

 


 

Das aktuelle Video von Xander Ferreira & The True Tones könnt ihr euch hier anschauen: 

 



Und noch ein interessantes Musikvideo zu einem weiteren Projekt, das Xander zusammen mit dem Pariser Künstler Mo Laudi realisiert hat. 
Das Video wurde in Orange Farm, einem Township außerhalb von Johannesburg aufgenommen, wo die mitwirkende Tanzgruppe Real Action Pantsula lebt. 

Gazelle & DJ Invizable feat. Mo Laudi – Speak Up (Directed by Chris Saunders):

 


Bilder: © Mats Bakken, Misha Taylor and Xander Ferreira