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Ulay Life-Sized – Der bekannteste unbekannte Künstler zeigt sich in Frankfurt

 

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Ein bemerkenswertes Oevre eines Ausnahmekünstlers?

Why Not?!


Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt die erste große Überblicksausstellung über den Ausnahmekünstler Ulay. Bis zum 8. Januar kann man das Werk des „bekanntesten unbekannten Künstler“ entdecken. So bezeichnet sich Ulay selber, der mit bürgerlichem Namen Frank Uwe Laysiepen heißt und bewusst nie ein Signaturkünstler sein wollte.

Ulay ist sowohl für die Kunstgeschichte wichtig, als auch interessant, nicht nur weil er in einer Beziehung mit der Starkünstlerin Marina Abramovic lebte.
Ulay gilt als der Begründer der performativen Fotografie, dass heißt, dass er seinen eigenen Körper in Verbindung mit der Fotografie einsetzte. Er war quasi ein Pionier der heutigen Selfies. Ursprünglich als Fotograf ausgebildet, begann er 1969 die Polaroid-Fotografie für sich zu entdecken. Für das Unternehmen Polaroid arbeitete er fest als Consultant Fotograf, später führte er ein Labor für großformatige Fotos. Für seine Kunst erforschte er mit hunderten von Fotos seine Identität. Aufgewachsen als Nachkriegskind, früh auf sich allein gestellt und später sogar auf der Straße lebend, sah er sich als Selbsterzieher und Überleber. Zu seinen Freunden zählt bis heute der Künstler Jürge Klauke, der ihn zum Crossdressing inspirierte. Vor der Kamera agierte er mit Requisiten, die das Gender-Thema aufnahmen, noch lange bevor es in der Kunst populär wurde.

Getrieben war er dabei stets von der Frage:

Wie drückt sich Identität im Körper aus, und welche Strategien verändern Identität?

1976 lernte Ulay in Amsterdam Marina Abramovic kennen. Sie wurde für ihre äußerst heftigen Performances mit starken Verletzungen gefeiert. Ulay versorgte ihre Wunden und verliebte sich in sie. Gemeinsam traten sie auf der Biennale in Venedig mit der Performance „Relation Space“ auf. Zwei Körper die immer und immer wieder kollidierten und Geräusche erzeugten, die mit Mikrofonen und Lautsprechern verstärkt wurden. Sie steigerten ihre gemeinsamen Performances über die Jahre, die den Spectator, also den Betrachter, bis in die Ohnmacht treiben konnte.

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Letztendlich trennten sich Ulay und Marina, haben den Kontakt rigoros abgebrochen, nachdem sie sich ein letztes mal auf der Chinesischen Mauer gesehen haben. Im Herzen und in der Kunst schienen sie aber vereint geblieben, wie unglaublich emotional in der großen MoMa Performance „The Artist Is Present“ von Marina zu sehen war. Eine Performance die auf You Tube mittlerweile 30 Millionen mal geklickt wurde.

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Mit rund 150 Arbeiten führt die retrospektiv angelegte Ausstellung in der Schirn sein Werk aus den Jahren 1970 bis 2016 nun zusammen. Zu sehen sind Fotografien, Filme und Projektdokumentationen, Objekte und Skulpturen sowie Arbeiten auf Papier. Neben neuen Arbeiten die der Künstler extra für die Ausstellung konzipiert hat, werden zum ersten Mal auch Arbeiten öffentlich zu sehen sein, die der Künstler bislang zurückgehalten hat.

 


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Römer­berg
60311 Frank­furt

Ulay Life-Sized
Bis 8. Januar

www.schirn.de
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nstagram: @schirnkunsthalle

 


Fotos: © Carolin Samson