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My life on the road – Sylvie Fleury in München


Why Not?!

Popkultur, Konsum und ein Hauch Feminismus
in den historischen Räumen der Villa Stuck.


Wenn das luxusliebendes Glamour Girl Sylvie Fleury beim alten Malerfürsten Franz von Stuck zu Besuch ist, passiert eine einzigartige Symbiose die sehenswert ist.

Aber von Vorn. In der Münchner Villa Stuck wohnt schon seit langem kein Malerfürst mehr und auch sonst niemand – ausser der Kunst. Die Villa ist ein Gesamtkunstwerk von Franz von Stuck, die er 1897 bis 1889 auf einer Isaranhöhe errichtete. Zu der Zeit war er 34 Jahre alt und ein sehr erfolgreicher Maler, Graphiker und Bildhauer. Er hatte das nötige Gespür die wohlhabende Münchner Gesellschaft für sich und seine Kunst zu begeistern, indem er sie zu Festen einlud, mit nur einem Hintergedanken – seine Kunst an den Mann zu bringen.

Heute findet man im linken Teil der Villa eine schlichte, helle Ausstellungsfläche die sich über 2 Etagen erstreckt. Ein White Cube, der eben Exponate die nötige, reduzierte Atmosphäre gibt, um nicht von der Kunst abzulenken. Im anderen Teil der Villa betritt man hingeben die ursprünglichen Wohn- und Privaträume des Hausherren. Vom Empfangssalon, zum Musiksalon, hin zur Bibliothek, Boudoir, zum Speisesaal und Rauchersalon, ist alles so erhalten wie von Stuck es geschaffen hat. Sogar sein Maleratelier, ausgestattet wie ein Festsaal, betritt man voller Ehrfurcht und dem entsprechenden Respekt, den man als Besucher fremder Häuser so empfindet.

Genau hier, ist zur Zeit die Schweizer Objekt- und Performance-Künstlerin Sylvie Fleury zu Besuch, die für ihre Ausstellung MY LIFE ON THE ROAD einen gelungenen Parcours durch die Räumlichkeiten entwickelt hat. Mit insgesamt 60 Werken setzt sie sich nicht nur mit den Räumlichkeiten, sondern auch mit der Philosophie Franz von Stuck und der Kunst der Moderne auseinander.

Wie kein anderer verstand es Franz von Stuck aus sich eine eigene Marke zu schaffen: Vom eigenen Logo hin zur Produktentwicklung, es ging ihm immer um Wiedererkennbarkeit und Marktpositionierung. Hier fand Sylvie Fleury ihre Herausforderung. Sie wollte darauf reagieren und mit ihren Werken die Strategieren von Verführung und Oberflächlichkeit, Kunst und Werbung, Konzept und Konsum, sowohl gegenwärtig als auch aus der Vergangenheit heraus untersuchen. Ihre Arbeiten spiegeln das Hier und Jetzt wider. Sie reagiert auf Trends und hinterfragt Marktmechanismen.

Kommt also mit zu einem kurzen Rundgang durch Sylvies Welt der Statussymbole, Fetische, Begehrlichkeiten und gesellschaftlichen Codes, die im symbiotischen Einklang mit Franz von Stucks Räumlichkeiten stehen und den Blick auf Strategien großer Künstler der Moderne schärft:

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Gleich im Empfangssalon, dem prächtigsten Raum des Hauses, hinterfragt die Künstlerin Instrument und Mechanismen der Mode- und Konsumwelt. Dazu platziert sie Einkaufstaschen der zur Zeit angesagtesten Marken in dem über und über mit Goldmosaiken bestückten Raum und gibt dem Besucher das Gefühl, das die Hausherrin von einem ausgiebigen Shoppingtripp gerade nach Hause gekommen ist und ihre übertriebene Ausbeute vom Chauffeur in den Salon hat platzieren lassen. Durch dieses „Ready-made“, also einem Alltagsobjekt, welches durch eine Kontextverschiebung einen neuen Stellenwert bekommt, greift sie nicht nur Duchamps Methodik, sondern vor allem Warhols Ansatz einer Kritik an der Warenwelt auf.

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Im Speisesaal treffen wir auf eine Auswahl alter und neuer Werke Fleurys. Das Motorrad „Gloria’s Triumph“ ist eines ihrer neusten und lässt durch den Saal einen Wind Emanzipation, Freiheit und Verschiebung von erotische besetzen Objekten wehen.

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In dem rechts vom Speisesaal liegenden Raucherzimmer, das seinerzeit nur den Herren vorbehalten war, treffen wir auf eine rosarote Rakete auf dem Weg zur Venus, die kunsthistorisches Wissen mit Humor verbindet.

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Gelangen wir durch das Treppenhaus, vorbei an Fleurys ganz privatem Schuhregal, in das Maleratelier, erkennen wir schnell, dass sich hier der Höhepunkt der Ausstellungsdramaturgie befindet. Die Ansammlung von Werken aus allen ihren Schaffenperioden spürt man den kreativen Impuls des Raumes.

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Auf dem Weg weiter, den Parcours entlang trifft man in einem abseitigen, ganz schlichten weißen Raum, dem eigentlichen Pinselraum, auf Donald Judds Strategie des Minimalismus. Die Strenge und Ernsthaftigkeit der Regale durchbricht Fleury jedoch mit amorphen Strukturen, die wie eine wabernde Masse von den Objekten zu tropfen scheinen. Sie nennt es „Eternal Wow on Shelves“.

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Der Rundgang endet kurz nach den durchschossenen Chaneltaschen. 2 von den letztendlich 24 Originalen, die für die Film- Installation „Cristalle Custom Commando“ von 2008 herhalten musst und eine klare Kritik an Luxus-Marken darlegt.

 


 

Unknown

Sylvie Fleury
MY LIFE ON THE ROAD
30.6. – 3.10.2016

Prinzregentenstr. 60
81675 München
Öffnungszeiten:
Di. – So. 11-18 Uhr

www.villastuck.de
www.sylviefleury.com

 

 

 


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Fotos: © Carolin Samson