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„This Way“ – Jeppe Hein im Kunstmuseum Wolfsburg


„I am right here right now“

Im Moment zu sein, ist das, worum es Jeppe Hein geht.


 

 

Jeppe-Hein-Museum-Wolfsburg-Kunst

Jeppe-hein-Aquarelle

Wir haben uns für euch „This Way“, die aktuelle Ausstellung Jeppe Heins im Kunstmuseum Wolfsburg angesehen, deren zeitliche Positionierung im Ausstellungskalender nicht besser hätte gewählt werden können.

Wann machen wir uns mehr Gedanken über unseren Lebensweg, unsere Landkarte erreichter Ziele und Visionen, als am Ende des Jahres?

Gedanklich fahren doch jetzt viele von uns die Stationen der vergangenen Monate nach und machen ein Resümee:

Was habe ich erreicht?
Was ist mir gut gelungen?
Was habe ich gelernt?
Was hat mich glücklich gemacht?
Was hat mir gut getan?
Und was nicht?

 

Grundsätzlich nehmen wir auf unserer Lebensreise manchmal Abzweigungen, die so nicht geplant waren. Wir verlassen unseren Weg, den wir uns zuvor zurecht gelegt haben und in vermeintlich weiser Voraussicht gut planten. Weil wir mutig sind. Weil wir neugierig sind. Und abenteuerlustig. Diese Abzweigungen können dann zum besten Teil unserer ganzen Reise werden. Wir entdecken plötzlich unbekannte Welten und lernen über uns und unsere Mitreisenden.

Manchen von uns passiert es jedoch nicht wieder auf den rechten Weg zurück zu kommen. Sie gelangen in Sackgassen, erreichen wilde Gewässer und verlieren die Orientierung.

Panisch fragt man sich: Wo geht es lang? Rechts, links oder geradeaus?

In der Ausstellung „This Way“ nimmt diese Entscheidung  der dänische Künstler Jeppe Hein (*1974) dem Besucher nicht ab. In seiner bisher größten Ausstellung stellt er sich bewusst der gängigen Ausstellungspraxis entgegen, indem er die Halle des Kunstmuseums Wolfsburg in ein Labyrinth aus großen, kleinen, drei-, vier- oder vieleckigen Räumen, engen und breiten Wegen, Sackgassen, Kreuzungen und Plätzen verwandelt.

Es entstehen Reflexions- und Erkenntniswege, wenn man offen ist die Fragen, die sich Jeppe Hein selbst stellt, anzunehmen und für sich zu beantworten versucht. Einen besonderen Weg, der meist versperrt bleibt, öffnet Jeppe Hein ganz bewusst: den Weg zum Künstler selbst.

Jeppe-Hein-Wolfsburg-Kunst

Jeppe Hein plagte mit Mitte 30 ein Burnout, der sich durch eine Panikattacke in einem Flugzeug bemerkbar machte und von da an sein Leben umkrempelte.

 

Als erfolgreicher Künstler gefeiert, entschied er sich dann sein Leben radikal zu ändern. Es gab den Tag 0 an dem er neu startete und er begann, wie ein Kartograf, bis heute sein neues Leben aufzumalen. Dabei sind 3253 Aquarellzeichnungen entstanden. Die Letzte am Tag der Eröffnung dieser Ausstellung im Museum in Wolfsburg.

Eine berührend ehrliche, innere Landkarte Jeppe Heins.

Jeppe-Hein-Klangschale

Meditation, Aufmerksamkeits- und Atemübungen sowie Yoga prägen heute den Alltag Jeppe Heins und haben Einfluss auf seine Kunst genommen. Sein Materialspektrum hat sich nicht nur um die Aquarelle erweitert, deren Wellen und Gesichter in der Ausstellung erstmals ganze Wände füllen. Wer die Ästhetik der minimalistischen Werke Jeppe Heins kennt, den wird seine neue Seite überraschen. Klang, Resonanz, Stille, Duft oder Atem prägen jüngere Arbeiten und lassen die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus und Hinduismus spürbar werden. Seine eigens für die Ausstellung entstandene, große Arbeit „Chakra Enlightenment“, die wie eine Spirale in ihrem Zentrum hängt, ist Jeppe Heins persönliche Interpretation der sieben Chakren.

Jeppe-Hein-Klangschalenbild

Jeppe-Hein-Klangschalenbilder

Jeppe-Hein-Atemkugeln

Im ganzen eine sehr sehenswerte, nachdenklich stimmende und interaktive Ausstellung, die bewusst den Betrachter mit einbezieht und Teil der Ausstellung werden lässt.

Jeppe-Hein-This-Way-Wolfsburg

Jeppe-hein-kunst


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Jeppe Hein „This Way“ vom 15.Nov.2015 – 13. März 2016

Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
Tel.: (05361) 26690
info@kunstmuseum-wolfsburg.de
www.kunstmuseum-wolfsburg.de


Fotos: Carolin Samson
Portraitfoto: © Marek Kruszewski, Jeppe Hein