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Andreas Slominski in den Deichtorhallen Hamburg

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Sinn-Suche in einer sakralen Sanitärwelt?
Ein Interpretationsversuch.

Why Not!?


 

 

 

Toiletten-Ausstellung-Slominski-Hamburg

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Slominski in den Deichtorhallen in Hamburg

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Bis gestern war die Halle für aktuelle Kunst voll gestellt mit Toilettenhäuschen. Verantwortlich dafür war Andreas Slomonski, einer der wohl international bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart. Slominski hat die Häuschen zu einer gut überlegten Installation zusammengefügt. Konzentriert hat er sich dabei auf industriell gefertigte WC Kabinen. Dixie-Klos. Immer der selbe Bautyp für die bessere Objekterfahrung. Lediglich in der Farbigkeit haben sie sich unterschieden. Es entstand eine imposante gesamträumliche, sakrale Wirkung in den Deichtorhallen.

Erzeugten die ersten Häuschen noch den Eindruck von spalierstehenden Soldaten, änderte sich mit jedem Schritt der Blickwinkel. Es entstand das Gefühl eines Ganges durch das Mittelschiff einer Kirche Richtung Altar. Rechts und links zeigten sich die Seitenschiffe. An den Wänden ebenfalls Klohäuschen, die wie Steinsärge mit ausgestellten Gebeinen Heiliger wirkten. Vor dem Altar ein grünes Klohäuschen – eine Kanzel?

Grundsätzlich bestehen viele Werke Slominskis aus banalen Gegenständen, die immer hintergründig und vieldeutig sind. Die WC Häuschen erinnern im sakralen Zusammenhang an Beichtstühle. Aus dem kirchlichen Zusammenhang herausgelöst wiederum an Wahlkabinen, an die kleinen Umkleidehäuschen an italienischen Stränden oder an Telefonzellen. Aufgetürmt wirkten sie wie monumentale Andachtswerke oder wie an der Wand hängende Vitrinen. Die herausgelöste Innenausstattung waren ebenfalls Kunstwerke. Das Urinal, das Entlüftungsrohr oder der Waschtisch wirkten wie Ready Mades, die den Unterschied zwischen Alltagsgegenstand und Kunstobjekt obsolet machten. Über allem schwebte ein Ensemble, das wie ein gigantischer Kronleuchter wirkte.

Durchschritten wir aber weiter den Raum als sei es eine Kathedrale, entdeckten wir an der Kopfseite neben meterhohen düsteren Skulpturen aus schwarzen Fäkalientanks und vorbei an dem aus roten Häuschen aufgetürmten Altar, die Sakristei. Hier hingen an der Wand zweidimensionale Gemälde, die die Heiligtümer des Künstlers offenbarten. Pinsel, Palette, Staffeleien – wie Suchbilder wirkten die farbig reduzierten Wandobjekte. Slominski hat sich dafür in die Produktionsstätte der Kunststoffhäuschen begeben und in den Spritzgussvorgang typische Künstlerutensilien hineingeschmuggelt.

Und was hat es mit dem Titel auf sich?

Der Titel der Ausstellung „Das Ü des Türhüters“ schien von Franz Kafkas Parabel „Vor dem Gesetz“ inspiriert zu sein. Auch als Torhüterlegende bekannt, ist der Leser hier mit der unendlichen Sinn-Suche beschäftigt. Slominski hält es wie Kafka, der in der Parabel bewusst alle Informationen zurück hält, um keine eindeutige Interpretation zustande kommen zu lassen. So hat sich Slominski bei der Pressekonferenz zur Eröffnung den Fragen entzogen und lieber an dem letzten Feinschliff der Ausstellung gearbeitet. Mit Absicht wird also der Betrachter, wie auch Kafkas Leser, in allen Deutungen gefangen gehalten und allein gelassen. Zudem konfrontiert Slominski den Betrachter, wie Kafkas Türhüter als göttliche Macht den Mann vom Lande, mit einem Verbot und einer Aufforderung zugleich: „Wenn es Dich lockt, versuche es doch trotz meines Verbotes hineinzugehn.“ [Kafka Proceß 1914: 226]. Nur ein Häuschen war letztendlich zu finden in das man hinein und auf der gegenüberliegenden Seite wieder heraus treten konnte; und selbst da war man sich nicht sicher, ob man dies tatsächlich  durfte – oder nicht.

 


 

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Deichtorstraße 1-2
20095 Hamburg
www.deichtorhallen.de

„Das Ü des Türhüters“ – Andreas Slominski
Die Ausstellung ist BEENDET

 

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Fotos: © Carolin Samson