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Artist we love: Cindy Sherman – in der Olbricht Collection


Why Not?!

Nichts verpassen und noch schnell die umfangreiche Ausstellung der Meisterin der Maskerade sehen.


 

Der Berliner me Collectors Room hat seine umfangreiche, retrospektive Ausstellung zu Cindy Sherman verlängert. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte „Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection“ nicht verpassen und die letzte Chance nutzen. Gezeigt werden 65 Fotografien aus nahezu allen Schaffensperioden und damit ein beachtlicher Überblick über das Gesamtwerk der amerikanischen Fotokünstlerin.

Wer ist Cindy Sherman?

Cindy Sherman hat ein unverwechselbares und wegweisendes Werk geschaffen, das die Formensprache der Fotografie auf ungeahnte Weise erweitert hat.
 Sie zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Aktuell hat sie in einer humorvollen Serien Instagram-Streetstyle-Stars für Haper’s Bazaar parodiert.

Wer genau sie in Wirklichkeit ist, hat sie in ihren Anfängen eher selten offenbart. Mittlerweile kleidet sie sich selber gerne auffällig und war bereits in Werbekampagnen etwa für Marc Jacobs oder M.A.C. zu sehen. Für ihre künstlerische Arbeit schlüpft sie jedoch stets in andere Rollen, Figuren und Kostüme. Der Betrachter stellt sich irritiert die Frage, ob tatsächlich die Künstlerin selber sich dort immer wieder abgelichtet hat. Ihre Verwandlungen sind bis ins kleinste Detail perfektioniert. Sie agiert zugleich als Darstellerin und Fotografin, Subjekt und Objekt in Personalunion. Ihre Selbstportraits zeigen jedoch keine authentischen Persönlichkeiten, sondern paraphrasieren soziale und kulturelle Stereotype. Diese werden dann durch verschiedene Möglichkeiten der Darstellung aus Kino, klassischer Malerei oder Werbung dekonstruiert und in ihrer Skurrilität auf die Spitze getrieben.

Geboren wurde Cindy Sherman 1954 in New Jersey. Heute lebt und arbeitet sie in New York.

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Cindy Sherman, Untitled Film Still # 48, 1979 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Ihr Werk

Bereits schon in den 1970er Jahren erlangte Cindy Sherman Bekanntheit mit der schwarz-weiß Serie „Untitled Film Stills“. Sie schlüpfte dazu in klischeehafte Frauenfiguren der 40er und 50er Jahre und wählte fiktive Filmszenen als Setting. Ihre Fotografien waren kleinformatig und wirkten wie reale Momentaufnahmen.

Erst 1980 wechselte sie zu farbigen Abzügen und großen Formaten. Mit ihrer Serie „Centerfolds“ stellt sich ihr erster großer künstlerischer Erfolg ein. Provokant an die Bildsprache des Playboy angelehnt, zeigt sie sich als Frau in mysteriösen emotionalen Krisen.

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Cindy Sherman, Untitled # 96, 1981 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Zusammen mit J.P. Gaultier beginnt sie schließlich die Modefotografie zu beeinflussen. Im Auftrag für Andy Wahrhols Magazin Interview entsteht 1983 eine Fotostrecke mit den Kleidern des Modeschöpfers. Sie selbst zeigt sich als unheimliche, verstörend wirkende Frauenfigur, womit sie sich gegen die Konventionen der üblichen Frauenzeitschriften und ihrer Bildsprache auflehnt.

Das Rätselhafte und Unheimliche dominiert fortan ihre Werke, wie z.B. in den Serien „Fairy Tales“ (1985) und „History Portraits/Old Masters“ (1988-1990). Hier beginnt sie sichtbare Prothesen oder Puppen einzusetzen und zeigt sich in Szenerien aus der Welt der Märchen und altmeisterlicher Gemälde.

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Cindy Sherman, Untitled # 354, 2000 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Kaum zu glauben dies noch weiter verdichten zu können, beginnt sie im Jahr 2000 mit ihrer Serie „Hollywood/Hampton Types“ (2000-2002). Mit übergroßen Zähnen, plastikblonden Haare und in hausmütterliche Einfalt zeigen sich ihre Figuren. Das humoristisch Unheimliche der Maskerade mündet in „Clowns“ (2003-2004). Schließlich zeigt sich Cindy Sherman in traurig vulgären Porträts alternder „Society-Ladies“ (2008). Die Upper Class-Beautys mit zu viel Schmuck und viel zu viel Make-Up liefern, so wie all ihre anderen Werke auch, die subtile Analyse von kollektiven Klischees und der Macht des Symbolischen, mit dem Blick auf das stetigen Ringen nach dem Individuellen.

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Cindy Sherman, Untitled # 418, 2004 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Dieser Ansatz zeigt sich auch in der aktuellen Serie, die in Zusammenarbeit mit Harper’s Bazzar entstanden ist. Cindy Sherman kleidet sich dafür in den aktuellen Kollektionen von u.a. Gucci, Prada, J. W. Anderson und Marc Jacobs. Für Recherchezwecke hat sie von Harper’s Bazaar Instagram Accounts empfohlen bekommen, die selbst sie noch zum Staunen brachte:

„Ich habe mich gefragt wie diese Person mit Haar- und Make-Up-Stylisten plus Fotografen aufbricht, nur um ihre Schwester in L.A. zu besuchen? Das sind keine Selfies, das sind Inszenierungen. Und sie werden dafür bezahlt, bestimmte Kleider zu tragen? Das scheint sinnvoll zu sein – schließlich ist es ihr Geschäft, aber das Ganze hat einfach etwas sehr Totes. Es ist so selbstbezogen.“

Die daraus entstandene Serien und der lesenswerte Artikel ist online bei Harper’s Bazaar zu finden.

Die Ausstellung im Berliner me Collectors Room ist noch bis zum 28. August zu sehen. Und wer dann noch nicht genug von Cindy Sherman hat, dem sei die umfangreiche Broschüre zur Ausstellung mit Texten von Thomas Olbricht „Meine persönlichen Erlebnisse mit Cindy Sherman und ihrer Kunst“ empfohlen.

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Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection, Installationsansicht, installation view, 2015 © me Collectors Room Berlin, Photo Bernd Borchardt

 

 


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www.me-berlin.com

Öffnungszeiten: Di – So 12-18 Uhr


Sliderfotos zusammengesetzt aus:
Cindy Sherman, Untitled # 475, 2008 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York
Cindy Sherman, Untitled # 354, 2000 © Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York