ART, Artists we love

Artists we love: Anna Fiegen

Art Muc München Anna Fliegen

 

Morgen startet in München wieder die ARTMUC. Nationale und internationale Künstler präsentieren sich und ihre Werke bei dem Kunstfestival, welches bereits zum vierten Mal auf der schönsten Insel Münchens, der Praterinsel, stattfindet. Im letzten Jahr haben wir euch unsere  5 Künstlerentdeckungen der ARTMUC vorgestellt. Klar! Gibt es auch wieder in diesem Jahr.

Jedoch haben wir heute haben schon vorab eine Künstlerin für euch, die wir auf jeden Fall in unsere Rubrik ARTISTS WE LOVE aufnehmen wollten: ANNA FIEGEN. Wir lieben ihre brutalistischen Bauten umgesetzt in eine Farbwelt, die leicht und sanft wirkt.

Anna hat uns in einem Interview verraten, warum sie bei der ARTMUC dabei ist, wo sie gerne mal ausstellen würde und wie sie den legendären ARTIST FLOW reflektiert. 

Wir sagen nur DANKE, DANKE LIEBE ANNA! Das Interview ist so inspirierend und interessant geworden, dass wir es kaum erwarten konnten es mit euch zu teilen.

 

 

Erzähle uns ein bisschen etwas von dir. Wo lebst du, wo arbeitest du? Wie sieht dein Atelier aus?
Seit meinem Examen als Meisterschülerin an der Kunstakademie Münster 2011 lebe und arbeite ich in Berlin. Die Stadt ist einzigartig in der Hinsicht, dass ich jeden Tag mit der U-Bahn in einen anderen Kiez fahren kann und dort jeweils eine komplett andere Stadt vorfinde. Die Atmosphären und Bewohner sind so vielfältig wie die Architekturstile und das macht den Alltag immer wieder aufregend. Für eine Architekturinteressierte wie mich ist das ein wahres Schlaraffenland.
Mein Atelier ist seit Anfang des Jahres in Adlershof, im Südosten der Stadt. Die etwas abgeschiedene Lage bringt für mich die nötige Ruhe zum Arbeiten mit und in den zwei großzügigen Räumen habe ich richtig viel Platz zum Experimentieren.

 

Was hat dich bewegt die Häuser zu malen?
Zu Anfang war es die skulpturale Wirkung von Architektur in Landschaft, das Spiel von Licht und Schatten, das mich inspiriert hat. Als Malerin habe ich viele Freiheiten innerhalb der geometrischen Flächen, die sich ergeben.
Architektur ist aber auch stark aufgeladen. Sie ist die bewusste Gestaltung unseres Lebensraums durch den Menschen und archäologisch gesehen die deutlichste Spur, die eine Zivilisation hinterlässt. Nicht umsonst verbinden wir mit bestimmten Architekturstilen nicht nur Epochen, sondern auch Emotionen.
Trotz der Menschenleere in meinen Bildern ist der Mensch durch die Architektur immer präsent.

 

Gibt es diese Häuser wirklich?
Ganz klar: Jain.
Ich lasse mich, wo immer ich bin, von realen Orten und Architekturen inspirieren. Die Idee zu einem Bild ist also immer mehr oder weniger stark von der Wirklichkeit beeinflusst.
Trotzdem mache ich keine Porträts von Häusern, sondern verändere sie in der Komposition und natürlich während des Malprozesses. Meist reduziere ich die Details sehr stark und nehme auch die urbane Umgebung weg, sodass die Architektur zum Monolithen wird.
Betrachter reagieren aber oft mit dem Ausruf: „Ich weiß, wo das ist!“, und meinen, einen ganz bestimmten Ort wiederzuerkennen, der für sie persönlich eine besondere Bedeutung hat. Die Ortslosigkeit meiner Bilder verstärkt paradoxerweise den Effekt.
Ich finde es wichtig, dass Malerei dem Betrachter immer eine möglichst große Projektionsfläche bietet, damit Interaktion stattfinden kann. Nur, weil ich das Bild gemalt habe, beanspruche ich ja nicht die alleinige Deutungshoheit.

 

Lebt dort jemand?
Wer weiß?

 

Woran arbeitest du gerade?
Momentan forsche ich zu Architekturstilen der Nachkriegsmoderne, insbesondere zum sogenannten Brutalismus. Der Begriff stammt eigentlich aus dem Französischen und bedeutet nichts weiter als „roher Beton“, wurde aber von Kritikern zu einem Schimpfnamen für diesen architektonischen Stil gemacht. Viele brutalistische Bauten weltweit werden gerade abgerissen oder sind gefährdet, weil sie emotional sehr negativ behaftet sind. Dabei hatten die jeweiligen Architekten oft eine utopische Gesellschaft im Sinn und wollten durch ihre Gebäude zum Gelingen der Utopie beitragen.
Diese Ambivalenz der Architektur und ihrer öffentlichen Wahrnehmung interessiert mich, weil sie durch Zuschreibungen entsteht, die veränderbar sind.
Wie in der Kunst verändert also die persönliche Konfrontation zusammen mit dem Zeitgeist die Wahrnehmung, bzw. ihre Interpretation, obwohl die Form unverändert bleibt.

 

Wo findest du deine Inspiration?
Früher habe ich meine Motive ausschließlich beim Flanieren gefunden. Ich bin lange ziellos gegangen und habe zufällige Begegnungen mit interessanten architektonischen Situationen und Lichteinfällen gesammelt.
Heute lasse ich mich auch von nicht unmittelbar selbst erlebten Orten inspirieren, zum Beispiel durch Fotos von Gebäuden in Interessengruppen wie „The Brutalism Appreciation Society“ auf Facebook, in Filmen oder in Architekturbüchern. Dieses Verwenden von „found footage“ ermöglicht mir eine viel internationalere Perspektive.
Mein Materialarchiv umfasst jetzt schon viel mehr mögliche Motive, als ich je umsetzen könnte. Das ist ein schönes Gefühl, als hätte man eine gefüllte Schatztruhe.

 

Kennst du sowas wie einen Artist Flow? Was macht es mit dir?
Einen richtigen Artist Flow kann ich bei mir erst im Nachhinein feststellen, weil dieser Zustand ja die Selbstwahrnehmung komplett ausschaltet. Im Flow scheint die Hand von allein zu malen, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Aktionen und Reaktionen scheinen automatisch zu passieren.
Im Grunde versuche ich immer, ein Setting optimaler Umstände zu erreichen, damit der Artist Flow entstehen kann.
Für mich sind bewusste Komposition und Planung der feste Rahmen, innerhalb dessen ich ein malerisches Flow-Erlebnis haben kann. Der Wechsel zwischen den Zuständen erlaubt mir, bei allem malerischen Zufall, die Kontrolle über den Bildraum zu behalten.

 

Du stellst deine Arbeiten auf der ArtMuc aus. Was gefällt dir an der ArtMuc? Wieso hast du dich für eine Ausstellung dort entschieden?
Ich bin in diesem Jahr zum ersten Mal auf der ARTMUC und schon sehr gespannt darauf. Mir gefällt das Konzept einer Messe, auf der Künstlerinnen und Künstler selbst ihre Arbeiten präsentieren und mit ihren potenziellen Kunden in Kontakt kommen.
Besonders spannend ist für mich, dass die ARTMUC weit weg von meinem üblichen Terrain stattfindet. Wann hätte ich sonst die Gelegenheit, ein Münchener Publikum zu erreichen? Ich freue mich auf die Gelegenheit, auch im Süden Deutschlands die Resonanz auf meine Kunst zu testen.
Außerdem sind der Vorlauf und die Organisation der ARTMUC wirklich professionell gelaufen. Das Team ist mir sympathisch und das spricht immer für die Veranstaltung. Bonus: Die zentrale Lage der Messe auf der Praterinsel mitten im Herzen von München.

 

Welche ähnlichen Veranstaltungen kannst du empfehlen?
Schlüsselerlebnis war sicherlich die P/ART 2015 in Hamburg, meine erste „Produzentenmesse“. Ich habe gemerkt, dass ich im direkten Gespräch meine Kunst oft besser vermittle, als es andere für mich tun könnten. Die Messegäste haben den persönlichen Kontakt sehr geschätzt und auch mit den Kolleginnen und Kollegen hat es viel Austausch gegeben. Das Netzwerk existiert heute noch. Leider gibt es noch keine konkreten Pläne für eine Neuauflage der P/ART.
Im November bin ich auf der Kunstmesse in Leipzig vertreten, die mit einem ähnlichen Konzept arbeitet wie die ARTMUC. Ich finde es großartig, dass es immer mehr Möglichkeiten für Künstler gibt, sich auch auf Messen zu präsentieren und auszuprobieren.

 

Wo möchtest du gerne mal ausstellen?
Eine schwierige Frage! Es gibt so viele phänomenale Ausstellungsorte.
Letztes Jahr war ich zum Beispiel im Louisiana in Dänemark, nördlich von Kopenhagen, und habe die Ausstellung von Daniel Richter dort gesehen. In dem verwinkelten Bau wurde man durch die tolle Sammlungspräsentation bis zu den lichtdurchfluteten Ausstellungssälen geleitet. Abgesehen von der beeindruckenden Qualität der Ausstellung selbst war es wirklich wunderbar, nebenbei immer wieder den Blick auf den Skulpturengarten und das tiefblaue Meer zu haben. Dort auszustellen wäre ein Traum!
Andererseits muss es aber auch gar nicht immer die große Institution sein; oft sind kleine Off-Spaces oder Projekträume in ihrer Intimität genauso spannend. Im Dialog mit besonderen Raumsituationen oder Arbeiten anderer Künstler ergeben sich meist faszinierende neue Blickwinkel und Facetten des eigenen Werks.

 

 

 


 

Anna Fiegen

www.annafiegen.de
Instagram: @anna_fiegen
Facebook: AnnaFiegen.Art

 

Alle die mehr von Anna Fiegens Arbeiten sehen möchten, sollten die ARTMUC nicht verpassen. Es können auch direkt vor Ort Werke gekauft werden. Die ARTMUC findet vom 19.10-22.10.2017 auf der Praterinsel in München statt.
Öffnungszeiten:
Do. 19.10. / 18 – 22 Uhr (Eröffnung und Vernissage)
Fr. 20.10. + Sa. 21.10. / 12 – 20 Uhr
So. 22.10. / 12 – 18 Uhr
Eintritt: 12 Euro
www.artmuc.info

 


Fotos: ©AnnaFiegen