ART, Artists we love

Artist we love: Wencke Pond

Bad Gastein Kunst

 


„Als dann der Anruf kam, dass man mich gerne dabei hätte, konnte ich es kaum fassen. Meine erste Kunstbewerbung und gleich ein Erfolg. Seitdem ist alles anders.“


 

 

Wir stellen euch hier bei uns im Magazin nicht nur große, etablierte Künstlerinnen und Künstler vor, sondern auch ganz junge, die gerade starten, die sich ausprobieren und mutig sind diesen doch recht ungewissen Weg des Künstlerdaseins anzutreten.

Wir wollen ihre Geschichten hören, wie sie ihren Weg gehen und was sie antreibt.

Wencke Pond ist eine Künstlerin aus Wien, die irgendwann den Mut hatte sich bei der sommer.frische.kunst in Bad Gastein zu bewerben und gleich eine Ausstellung bekommen hat. Dort hat sie Andreas Mühe getroffen, der ihr eines mit auf den Weg gegeben hat: MACHEN MACHEN MACHEN…

Aber lest selbst:

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Wencke, du hast mir geschrieben, dass du ein Wendekind bist. Du bist in Hoyerswerda geboren und, wie du sagst,  kannte sich damals in der neuen Welt keiner so richtig aus, vieles war neu. Das hat dich geprägt. Du hast immer gern gemalt, bist aber nie auf eine Kunstakademie gegangen. Hast eine Lehre abgeschlossen, ein Café in Wien eröffnet und so manche Hochs und Tiefs erlebt. Wie bist du nun zum Künstlerleben gekommen?
Die Kunst ist schon immer mein ständiger Begleiter. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sich bei mir in den Vordergrund gedrängte. Ich glaube daran, dass man irgendwann einfach seiner Bestimmung folgen muss, um ein erfülltes glückliches Leben zu führen.
Und nach einer Trennung und dem Schließen meines Lokales in Wien dachte ich: jetzt oder nie. Ich hatte auf einmal nur mehr Verantwortung für mich selber zu tragen und wagte den Schritt. Ich hatte Angst davor, mir später mal vorzuwerfen, dass ich es nicht probiert hätte. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich weiß nicht, die Zeit war einfach reif!

Ich habe deine Arbeiten bei der sommer.frische.kunst in Badgastein gesehen. Ein begehbarer, imposanter Rosengarten und viele dreidimensionale Collagen in Objektrahmen. Was hat dich nach Bad Gastein zur sommer.frische.kunst geführt?
Bad Gastein – geliebtes Bad Gastein. Schon komisch wie es manchmal geht im Leben. Denn eigentlich wollte ich nur zwei Monate lang, für eine Saison hierher gehen. Ich hatte noch mein vegetarisches Lokal und wollte in den Sommerlöchern Juli und August etwas dazu verdienen. Aus zwei Monaten wurden spontane anderthalb Jahre. Ich arbeitete in einem feinen, kleinen Hotel auf 1300m Höhe eingebettet in die Natur. Traumhaft, völlig losgelöst von der „normalen“ Welt. Wochenlang keine Werbung, kein Supermarkt, wie im Märchen.
Eines Tages las ich in den Salzburger Nachrichten von einer Kunstausschreibung im Zuge der sommer.frische.kunst und dachte mir, ich bewerbe mich einfach. Der Startschuss in die richtige Richtung.
Als dann der Anruf kam, dass man mich gerne dabei hätte, konnte ich es kaum fassen. Meine erste Kunstbewerbung und gleich ein Erfolg. Seitdem ist alles anders. Meine Rauminstallation kam gut an und die begleitende Ausstellung auch.
Die Möglichkeit einer Plattform wurde mir gegeben und ich habe sie genutzt. Ich habe dort tolle Leute kennengelernt und viele neue Freunde gewonnen. Bad Gastein ein wahrlich magisch, inspirierender Ort. Wo Wunder noch geschehen.

Du sagst, dass du dich seit der Ausstellung in Bad Gastein zu 100 % für die Kunst entscheiden hast. Lebst du jetzt auch in Bad Gastein?
Bad Gastein wird immer wichtig für mich sein und ich werde es oft besuchen, aber Wien ist meine Heimat und mein Zentrum. Hier lebe und arbeite ich. Ich wohne im 3. Bezirk gleich beim Grünen Prater und am Donaukanal. Herrliche Kombination zwischen Natur und Kultur. Besser geht es nicht.

Du arbeitest vorwiegend mit der Collagetechnik. Der Hamburger Galerist Ralf Krüger hat so schön beschrieben, dass Collagekünstler wie Astronauten sind, die sich auf einer niemals enden wollenden Reise in das interstellare Reich uferloser Fantasie begeben, ausgerüstet mit Schere, Skalpell und Kleber. Was ist die Collage für dich? Warum liebst du es dich mit der Technik auszudrücken.
Die Collagentechnik ist für mich eine Möglichkeit eine andere Welt zu schaffen, meine Eindrücke noch mehr zu verkitschen und zu verschönern, aber mit der Herausforderung dafür vorgefertigte Medien zu verwenden. In meinem Fall primär Bücher. Aber auch Zeitschriften und Postkarten, eben alles was ich passend finde, um mich auszudrücken. Ich empfinde es wie eine Schatzsuche und freue mich meinen Schatz zu zeigen. Kleine Bühnen und Welten in die man eintauchen kann. Die Freiheit in der Vorgabe, suchen, finden, verarbeiten.

Was ist das wichtigste, was du dem Betrachter über deine Arbeiten mitgeben möchtest?
Frieden! Frieden für den Betrachter! Ich möchte, auch wenn die Botschaft zum Beispiel traurig ist, nicht unbedingt ein trauriges Gefühl vermitteln.
Ich möchte Botschaften ohne Grauen transportieren. Ich möchte darauf hinweisen, was es etwas zu erhalten gibt und nicht mit dem Zeigefinger darauf hinweisen, was schon alles verkackt ist. Denn man sollte nicht vergessen, zeigst du mit einem Finger auf einen Mensch, zeigen drei Finger auf einen selber. Ich wir sind schon müde der täglich schlechten, schrecklichen Nachrichten. Ich glaube, dass das schwer demotivierend ist. Aber ich möchte motivieren! Möchte zeigen, was es zu erhalten gibt, in seiner ganzen Schönheit. Ich möchte friedvolles Reflektieren und dadurch motivieren. Ich möchte aufzeigen ohne Anklage!

Wie wird es weiter gehen? Hast du schon neue Projekt oder Pläne?
Ich hatte mich für eine konzeptionelle Wandgestaltung für eine Wiener Strandbar beworben und den Auftrag bekommen. Seit einem Monat arbeite ich mit dem lieben Freund und Kollegen NEKRO an diesem Projekt. Es ist kurz vor der Fertigstellung und ab Mai zu sehen. Meine erste Wand, mein erstes Graffiti. 60 Meter Fläche … das nenn ich mal ein Format!
Aber das ist es, was ich so liebe am Künstlerleben – die Herausforderung. Denn eigentlich wollte ich es mit dem Pinsel malen, aber musste feststellen, dass diese Idee größenwahnsinnig war. Somit musste ich flexibel bleiben und mich mit der Spraydose vertraut machen. Hat sehr viel Spaß gemacht und war nicht das letzte Mal. Es gibt schon Folgeaufträge und Gott sei Dank genügend Dachterrassen in Wien.
Nach der Fertigstellung ist eine Ausstellung geplant in Kooperation mit dem Künstler Rudi Holdhaus, ein lieber Freund und Mentor. Voraussichtlich wird sie Anfang Juni stattfinden. Infos dazu wird es auf meiner Homepage geben. Ansonsten halte ich mich an den Tip von Andreas Mühe. Der sagte zu mir: „Wencke! Machen, machen, machen.“ Das ist das wichtigste für einen Künstler, seine Produktivität! Alles andere findet sich.

Und was machst du sonst so, wenn du nicht gerade Kunst machst?
Eigentlich mache ich immer etwas Kreatives. Ja. Das ist einfach meine liebste Beschäftigung. Gerade habe ich in meiner Freizeit die Schaufenster von einem Lokal gestaltet. Zu sehen in der Salmgasse 23 in Wien. Das Lokal gehört einem lieben Freund und die Schaufenster waren mir zu fad. Ansonsten bin ich einfach gern in der Natur und unter Freunden. Und eben kreativ, kreativ, kreativ. Und nun geh ich mit meinem Hund raus, es regnet, das mag sie Gott sei Dank nicht und ich kann dann gleich an meinen Arbeitstisch gehen und meine neuen Ideen für Collagen umsetzen. Und das ist es, was ich liebe. Ich arbeite, aber ich merke es nicht, vor lauter Freude an dem Tun.

 

Danke, für das Interview!

 

 


 

WENCKE POND

www.wenckepond.com

 


Fotos: @Wencke Pond