INTERIOR

Design-Möbel mieten? Why Not!

 

READYMADE

…heißt die Firma hinter dieser großartigen und zukunftsträchtigen Idee.

Das Motto lautet : reduce. reuse. repeat.

Die Idee ist so einfach wie genial. Melusine und Julian, die beiden Gründer von READYMADE haben sich gefragt, wie es möglich ist, dass allerhand Dinge leihbar sind, aber keine anständigen Möbel. Da das Sich-wohlfühlen in den eigenen 4 Wänden für die meisten Menschen eine große Rolle spielt und nicht jeder die Möglichkeit hat, ständig die Möbel den neuen Gegebenheiten anzupassen bzw. sich die gewünschten Design-Möbel zu leisten, ist die Gründung einer solchen Firma ein geradezu genialer Schachzug. Nachhaltige Konzepte wie dieses hier, passen genau in unseren Zeitgeist, es mischen sich Spontanität, Flexibilität und eben Nachhaltigkeit mit Design.

 

Lampen…

 


Was genau hinter der Idee steckt und wie es dazu kam, erfahrt ihr von Melusine in diesem Interview.


 

Wie seid Ihr auf die Idee zu READYMADE gekommen?
Die Idee entstand wie so häufig durch Unzufriedenheit: Julian hat 2 1/2 Jahre in Berlin als Eventmanger gearbeitet und ist währenddessen 13 Mal umgezogen! Er hat mir davon erzählt, wie er von Untermiete zu Untermiete, von kaum zu voll möblierten Zimmern gezogen ist und dabei immer das Gefühl von Zuhause vermisst hat. Er meinte, selbst das schönste Zimmer fühlt sich nicht an, als hätte es etwas mit Dir zu tun, wenn Du nur Deine Klamotten in den Schrank räumst. Zuhause ist doch immer auch eine gewisse Form von Ausdruck. Ihn trieb deswegen der Gedanke um, weswegen es eigentlich keine Art Leihbücherei für Möbel gibt. Und ich habe zu der Zeit gerade den Vorsitz in meiner NGO für akademische Geflüchtete abgegeben, weil ich es leid war, immer nur über konsuminduzierte Fluchtursachen zu reden, aufzuklären und dafür zu appellieren es anders zu machen. Ich war auf der Suche nach einer Möglichkeit, es tatsächlich anders zu machen. Und so entstand dann die Idee, tatsächlich einfach selbst eine Leihbücherei für Möbel aufzumachen. Das war so ganz am Anfang unsere Vorstellung, die sich dann nach und nach der Realisierbarkeit etwas beugen musste, aber wir sind trotzdem ziemlich zufrieden damit, was wir da entwickelt haben.

Woher kennt Ihr Euch?
Man könnte sagen: Vom Rhein-und-Ruhr-Klüngel. Wir waren als Jugendliche Teil derselben Szene, hatten gemeinsame Freunde und waren auf denselben Veranstaltungen. Julian kommt gebürtig aus Münster und ich aus Köln, beides Städte, die sehr aktive Subkulturen und deswegen regen Austausch hatten. Wir haben uns dann aber aus den Augen verloren, er ist ja nach Berlin und ich bin nach Frankfurt gegangen – und zufällig 2016 auf einem Festival im Ruhrpott haben wir uns wiedergetroffen.

Seid Ihr beruflich aus dem Architektur-/Interiorbereich, oder ist das richtiges Neuland für Euch?
Julian ist von Hause aus Tischler, das heißt er kennt sich vor allem mit Materialien und der Konstruktion von Möbeln aus. Interesse für Interior und schöne Dinge hatte er schon vorher, aber dadurch kam dann noch das Verständnis hinzu, wie die Schönheit entsteht und wie man sie erhalten kann. Gerade seine Begeisterung für Hölzer und handwerkliche Präzision sind da, glaube ich, entstanden. Und durch sein Studium in Holzingenieurswesen kam dann noch die Bildung im Bereich Architektur dazu – auch wieder eher von der handwerklichen Seite.

Für mich ist das ganze Thema ziemliches Neuland. Ich habe in meinem Philosophiestudium zwar einen Schwerpunkt auf Ästhetik gelegt, aber da geht es dann eher um Kunst als um Design. Oder mindestens um die krampfhafte Abgrenzung vom Design, denn das ist ja für den Alltag und die Verklärung der Wirklichkeit. Ich fand den Einfluss von Design auf die Wirklichkeit selbst aber schon immer sehr spannend, denn womit wir uns umgeben hat doch ganz direkten Einfluss darauf, wie wir die Wirklichkeit erleben und insofern vielleicht auch darauf wie sie ist? Es gibt einen Philosophen, der eine ästhetische Umgebung ebenso zu einem menschlichen Grundbedürfnis erklärt hat wie Essen oder Schlaf. Das finde ich eine interessante Perspektive.

Was macht Ihr im Privaten um nachhaltig zu leben?
Da hat wohl jeder so seine ganz eigenen Strategien, neben simplen Dingen wie grüner Strom, Bahn statt Auto oder wieder verwendbaren Flaschen. Wir gehören nicht zu denjenigen, die absolute Konsequenz fordern, sondern für uns ist es wichtig, seine Bedürfnisse zu kennen und selbst abzuschätzen, an welchen Stellen Verzicht oder eine Umstrukturierung auf Dauer funktionieren kann. Denn, wenn ich etwas radikal gegen wichtige Bedürfnisse versuche umzusetzen, werde ich das nicht lange durchhalten. Julian ist zum Beispiel sehr minimalistisch was seinen Besitz und seinen Konsum von Gegenständen angeht. Er hat eine nicht allzu lange Kleiderstange, wo wirklich alle seine Klamotten drauf passen und 2 Paar Schuhe. Ansonsten besitzt er außer seinen Schallplatten eigentlich nichts so an Konsumgütern. Eigene Möbel hat er ja auch erst seit Kurzem.

Ich habe dagegen schon relativ viele Sachen, vor allem Schuhe und Klamotten – und einen Haufen Bücher. Kleidung tausche ich gern oder kaufe sie 2hand. Ich lebe außerdem schon seit vielen Jahren vegan und achte auf nachhaltige, regionale Lebensmittel. Wenn wir uns nun gegenseitig davon überzeugen wollten, dass unser Weg richtige ist, würden wir nicht nur die Bedürfnisse und Eigenheiten des jeweils anderen ignorieren, sondern kämen auch zu nichts. Natürlich, hilft es auch nicht, einfach immer zu sagen: Das ist halt mein Bedürfnis. Aber wir denken, dass gerade eine nachhaltige Gesellschaft auf Achtsamkeit fußt, sowohl der Umwelt als auch unseren Mitmenschen und uns selbst gegenüber.

Habt Ihr zur Realisation Eures Projektes Business-Angels als Unterstützer, so etwas kann man ja kaum alleine wuppen, oder?
Bislang haben wir tatsächlich alles selbst finanziert. Wir haben aber wirklich großartige Partner in den Möbelherstellern gefunden, die uns sehr viel Vertrauensvorschuss gegeben haben. Wir haben deswegen bislang auch erst 30 Möbel, obwohl die Nachfrage deutlich höher ist. Um die nächsten Schritte zu gehen und unseren Stock weiter ausbauen zu können, brauchen wir aber einen Angel oder einen strategischen Partner und sind deswegen fleißig auf Brautschau. Wir sind zwar kein klassisches Fast-Exit-Startup, aber trotzdem ist unser Geschäftsmodell für Geldgeber lukrativ. Insbesondere für solche, die mit ihrer Investition etwas bewegen möchten und langfristige, solide Renditen bevorzugen.

Stühle…

 

 

 

Ab wann kann man bei Euch Möbel mieten?
In ein paar Tagen wird unser Online-Shop released! Ab dann kann man ganz offiziell Möbel bei uns mieten. Wir haben zwar erst 30, aber es gibt für jedes Möbel im Shop eine Warteliste, sodass wir dann wissen, was die Community will und zusehen können, dass wir das ranschaffen. Wir haben in den letzten Monaten unseren Club aufgebaut und momentan kann man über unsere Homepage auch noch einfach Mitglied werden. Sobald der Online-Shop veröffentlicht wird, schließen wir den Club dann allerdings. Jedes Mitglied bekommt dann einen individuellen Link und kann neue Mitglieder einladen. Der Gedanke dahinter ist, dass Möbel etwas sehr privates sind und wir wollen, dass unsere Mitglieder einen gewissen Einfluss darauf behalten, mit wem sie ihre Möbel teilen.

Wie läuft das ab, wenn man sich Möbel bei Euch mieten möchte?
Nachdem man Mitglied im Club geworden ist, kann man wie in jedem anderen Online-Shop in unserem Sortiment stöbern und sich aussuchen, was man gerne mieten möchte. Daraus ergibt sich dann je nachdem, was ausgesucht wurde, neben einer einmaligen Lieferpauschale eine monatliche Miete, die regelmäßig abgebucht wird. Wir kümmern uns dann um die Lieferung, den Aufbau und nach Ablauf der Mietzeit auch um die Abholung. Der Nutzer muss also nichts weiter tun, außer er hat sich am Ende so sehr in sein Möbel verliebt, dass er es uns abkaufen will.

Wenn die Möbel zu uns zurück kommen, reinigen wir sie natürlich erstmal und prüfen dann, in welchem Zustand sie sind. Unser Ziel ist es nicht, die Möbel wieder „wie neu“ herzurichten. Stattdessen wollen wir die Gebrauchsspuren in das Design des Möbels einarbeiten, also die Geschichte, die es mit seinen verschiedenen Besitzern erlebt, sichtbar machen. Dadurch kann sich das Design mal mehr, mal weniger verändern, aber es wird sich auf jeden Fall weiter entwickeln. Das heißt nach den ersten Nutzern wird jedes Möbel zum Unikat und erhält seinen eigenen Lebenslauf. Die Qualität des Möbels wird dabei natürlich erhalten. Dadurch, dass wir die Stücke verschiedenen Designern, Künstlern und Upcyclern geben entsteht außerdem ein Design, das sehr individuell und stilvoll an das jeweilige Grunddesign angepasst wird. Sollte ein Möbel wirklich kaputt, also in seiner Funktion eingeschränkt oder fahrlässig behandelt worden sein, muss der Nutzer natürlich für den Ersatz gerade stehen. 

Ihr habt eine ganz schöne, praktische und stilvolle Auswahl an Möbeln, wie sucht Ihr die aus und wer ist eigentlich Eure Zielgruppe?
Die Auswahl der Möbel ist so ziemlich die schönste, aber auch eine der schwierigsten Aufgaben, die wir so haben. Einerseits geht das natürlich danach, was uns gefällt und was in die Stilrichtung passt, die wir uns ausgesucht haben. Der Minimalismus spiegelt sich ja nicht nur im Geschäftsmodell wieder, sondern natürlich auch im Design. Dabei geht es uns vor allem um raffinierte Designs und besondere Lösungen: Für uns ist es wichtig, dass die Möbel klein, leicht, entweder modular oder in einem Stück gefertigt sind. Das geht dann von Betten zum Zusammenstecken von Tojo über den vitra Tip Ton bis hin zu den ausgeklügelten Magnetsystemen von TAVAR. Wir achten aber außerdem darauf, wie und wo die Hersteller produzieren. Alle unsere Hersteller müssen Zertifikate für nachhaltige Forstwirtschaft erbringen können (PEFC und FSC-Siegel), materialgerechtes und -effizientes Design sind außerdem neben anderen nachhaltigen Anforderungen eine Voraussetzung. Wir stellen dann ein eigenes Ranking auf und bewerten die Hersteller danach. Einer unserer Lieblinge in Sachen Nachhaltigkeit ist auf jeden Fall We Do Wood aus Dänemark: Der Produktionsprozess ist komplett transparent und folgt der Circular Economy, d.h. von der Materialauswahl (Bambus!) bis zu Verpackung und Logistik ist alles darauf ausgelegt, möglichst wenig Abfall und CO2 zu produzieren. Komplett nachhaltig zu produzieren bleibt in der Möbelbranche weiterhin ein kaum erreichtes Ideal, aber in allen Teilprozessen danach zu streben, ist definitiv der richtige Ansatz.

 

Regale und Tische

 

 

Vielen Dank für dieses tolle und ausführliche Interview! Wir wünschen viel Erfolg für dieses zeitgemäße Projekt. Die Bilder im Artikel sind ein Querschnitt der Produkte, die READYMADE anbietet. Alle Interessierten können sich momentan auf der Website registrieren und sich informieren, mit dem Launch der Website wird die Community geschlossen und man nur noch über Empfehlung von Mitgliedern aufgenommen werden. 

 

 


 

Titelbild: ©Daniel Suhre – Tausend Dank!
Fotos: ©über Readymade