ART, Artists we love

Artists we love: Helga Schmidhuber

 



Ein bisschen Voodoozauber, ganz viel Naturglaube und der Geruch des Sommers als Inspiration?

WHY NOT?!


 

Die Künstlerin Helga Schmidhuber fällt auf. Mir zumindest auf der Sommer.Frische.Kunst in Bad Gastein. Es bleibt keine Zeit sie anzusprechen, aber ihr Werke hallen in mir nach. Ich schreibe ihr letztendlich eine Mail, weil ich unbedingt mehr über sie und ihre Arbeiten wissen muss. Was hat es mit den Wünschelruten auf sich? Und dem Voodoo? Gibt es einen Artist Flow? Und wie starkt beeinflusst die künstlerische Arbeit ein tosender Wasserfall, der direkt am Atelier 340 Meter in die Tiefe rauscht?

Violá! Herausgekommen ist ein so spannendes Interview, dass in sich hat:

 

Wir haben dich, bzw. deine Arbeiten bei der Sommer.Frische.Kunst in Bad Gastein entdeckt. Du hast hier als Artist in Residenz dein Atelier aufgeschlagen. Warum hat dich Bad Gastein als kreativer Ort angezogen? Was magst du an Bad Gastein?
Mich interessieren Orte mit langer Geschichte. Ich stöbere gerne in der Vergangenheit, liebe das Wasser und meide die Höhe. Ideale Voraussetzungen, um Bad Gastein zu erforschen.

Inwieweit hat Bad Gastein eine Arbeit beeinflusst. Hat dich irgendetwas besonders inspiriert und damit deine Arbeit in eine andere Richtung getrieben?
Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt! Selbstverständlich beeinflussen dieser extreme Ort und das Atelier im Wasserkraftwerk meine Arbeit. Höhenangst, Wasserfall, starke Kontraste klimatisch wie farblich, extreme Perspektiv-Wechsel schlagen sich in meinen Werken nieder.

Warum bist du Künstlerin geworden?
Habe die Entscheidung Malerin zu werden, bereits mit sieben oder acht Jahren getroffen. Diesen Beruf sucht man sich nicht aus.

Wenn du keine Künstlerin geworden wärst? Was dann?
Vielleicht Pathologin, Forscherin, Operndiva oder Weltumseglerin? Erfinderin am ehesten, aber wer weiß schon … Ich wäre sowieso Künstlerin geworden. Es gibt in meinem Leben keinen Plan B! Ich liebe das Risiko.

Wo findest du deine Inspirationen?
In meinem Gegenüber, der Umgebung, Musik, Sounds und Gerüchen, aber auch in Naturwissenschaft, Literatur und Geschichte. Da gibt es keine Grenzen. Ich sauge alles auf wie ein Schwamm. Bin zudem äußerst neugierig. Brauche allerdings viel Zeit, um Gefundenes innerlich zu sortieren und explizit in meiner Arbeit zu verdichten.

Gibt es für dich so was wie den, nennen wir ihn mal, Artist Flow? Und was passiert dann.
Ja, es gibt den Flow. Dann sprudeln die Gedanken wie der Bad Gasteiner Wasserfall in extremer Geschwindigkeit und man muss zusehen, alle Ideen in Werken zu fixieren. Der Flow ist die größte Form des Glücks für mich.

Hast du auch einen inneren Kritiker in dir? Und wenn ja, wie bekämpfst du ihn?
Selbstverständlich habe ich einen inneren Kritiker. Es ist mein alter Ego. Aber warum sollte ich ihn denn bekämpfen? Er ist doch mein bester Freund und ständiger Begleiter! Ich führe mit ihm Gespräche beim Arbeiten. Was uns beiden nicht intensiv genug erscheint, wird rigoros überarbeitet oder vernichtet. Da sind wir beide sehr streng und konsequent.

Tiere, vor allem auch exotische, entdeckt man sowohl in deinen frühen, als auch in deinen aktuellen Arbeiten. Vor allem sind Affen immer wieder ein Thema. Warum?
Du beziehst Dich mit Deiner Frage höchstwahrscheinlich auf meine aktuelle Serie „Petrichor” aus den Jahren 2016 und 2017, in der Kattas (Lemuren) zu sehen sind.
Petrichor ist die Bezeichnung für den Geruch, der entsteht, wenn Regen oder anderen Flüssigkeiten, auf warmen Stein treffen. Als Synästhesitin liebe ich diesen Geruch von Sommer außerordentlich. Dies ist das Thema der Serie und weniger die Protagonisten. Sie sind nur Mittel zum Zweck, die Malerei an etwas festzumachen.

Und die Wünschelrute? In Bad Gastein hat du eine überdimensionale Wünschelrute vor dem Wasserwerk platziert, aber auch in deinen Assemblagen findet man sie. Was hat es damit auf sich?
Üblicherweise dient eine Wünschelrute zur Wassersuche. In Bad Gastein muss natürlich niemand nach Wasser suchen, wenn täglich mehrere Millionen Liter frisches Quellwasser gratis aus den Bergen kommen. In Bad Gastein bekommt die Wünschelrute allerdings eine andere Bedeutung. Dazu muss ich etwas ausholen.
Die ungefähr drei Meter lange Wünschelrute habe ich mit Hilfe zweier Kollegen direkt aus dem Fuße des Wasserfalls geborgen. Anschließend habe ich sie gepolstert, mit einem kleinen Voodoo versehen und mit Stoffen umwickelt. Vielen Dank an Giuseppe und Christian an dieser Stelle!!!
Direkt auf der Terrasse an meinem Atelier zu Füßen, des Quellenparks, hat man vor einigen Jahren eine weiße Marmor-Statue des Bildhauers Josef Thorak aufgestellt.
Leider wird in Bad Gastein verschwiegen, dass Thorak neben Arno Breker als populärster Bildhauer im Dritten Reich galt. Er gehörte zu den meist beschäftigten Bildhauern des NS-Regimes – Hitlers Lieblingskünstler. Diese Monumentalplastik einer idealisierten schönen, weißen Frau wurde zudem in einem scheußlichen Glaskasten eingesperrt.
Aus meiner Sicht ist dies die reinste Nazi-Pornografie. Ich habe, in der Kürze der Zeit meiner Anwesenheit, wenigstens mit meiner Wünschelrute ihre Scham und Brust bedecken können. Durch diesen Eingriff werden wenigstens für zwei Monate alle komplett nackten Fotos der „Schönen Frau” verhindert.
Freue mich sehr, wenn endlich erklärende Hinweis-Schilder zu dieser Skulptur und vor allem zum Bildhauer Thorak öffentlich angebracht werden.

Glaubst du an den Voodoozauber?
Aus Glaubensfragen halte ich mich raus.
Mich interessieren aber im allgemeinen Themen wie Naturglaube und Brauchtum, wie z.B. die Tradition des Perchtenlaufes in Bad Gastein. Die seit Jahrhunderten von Menschen aufwendig gestalteten Tierkostüme finde ich sehr berührend und spannend. Ich bin im Wald aufgewachsen. Scheinbar ist das prägend für meine Arbeit. Einige meiner engsten Freunde halten mich für eine weiße Hexe. Bestätigen will ich das allerdings nicht.

 

 


 

Helga Schmidhuber

www.helgaschmidhuber.com

 

Noch bis zum 30.9.2017 sind Helgas Arbeiten im Zuge der Sommer.Frische.Kunst in Bad Gastein zu sehen.

Ausserdem vom 9.9. bis 7.10.2017 in der Gruppenausstellung „Nachlese II“ in der Galerie Zilioli in München und vom 29.9.2017 – 31.12.2017 in der Soloshow „Helga Schmidhuber: Petrichor“ im Kunstzentrum CCA auf Mallorca.

Und in der ständigen Vertretung im kunst(T)raum und der Teunen-Konzepte im Schloss Johannisberg im Rheingau.

 

 


Fotos: © Holger Schmidhuber