ART, Artists we love

Artist we love: Matthias Edlinger


 

„Aufkleber, Beschriftungen, Risse, Farbflecken und Aufdrucke machen jeden Karton zum Unikat. Auch wenn es auf den ersten Blick alles gleich aussieht, jedes Stück Karton hat seine eigene Geschichte.“


 

Wenn Matthias Edlinger nicht gerade Musikvideos dreht, macht er Kunst mit Karton. Am liebsten mit Karton, der eigentlich schon seinen Sinn und Zweck erfüllt hat. Manchmal werden damit ganze Räume ausgelegt, Objekte umhüllt oder er dient als Basis für Collagen. Zuletzt waren einige der Collagearbeiten im Münchner LOVELACE Hotel zu sehen. Aber psssst … im September dann auch bei uns in der POPUP Galerie in Regensburg.

 

Wir haben mit Matthias nicht nur ein Interview geführt, sondern ihn auch in seinem Münchner Atelier besucht. Wie es da aussah, könnt ihr heute in unserer Instastory entdecken!

 

 

 

Wo lebst und arbeitest du?
Das mag jetzt verrückt klingen, aber Ich lebe und arbeite tatsächlich in München.

Was machst du sonst noch so, wenn du gerade keine Kunst machst?
Kunst mache ich im weitesten Sinne eigentlich immer. Wenn ich gerade keine bildende Kunst mache, führe ich Regie bei Musikvideos oder schreibe Romane. Privat koche ich gerne und optimiere zurzeit meine Anrichte-Skills. Ansonsten trifft man mich beim Laufen oder auf meinem Rennrad.

Warum bist du ein Künstler? Was ist dein Antrieb?
Ich möchte mit anderen Menschen in den Dialog treten. Sie zum Nachdenken bringen, ihr Leben bereichern, sie im Idealfall inspirieren oder hin und wieder auch zum Schmunzeln bringen. Das versuche ich – auf die ein oder andere Weise – eigentlich schon immer. Ich finde es im Kunstmarkt wichtig Barrieren abzubauen. Viele Menschen tun sich schwer mit dem unnahbaren, verschwurbelten Elfenbeinturm-Künstler und dem ganzen Gewese um Kunst. Meine Kunst ist einfach und zugänglich. Man muss kein Akademiker sein, um meine Arbeiten zu verstehen.

Wir sehen deine Inspirationsquellen aus? Wer oder was inspiriert dich?
Es fällt mir schwer, Inspirationsquellen konkret zu benennen, da das bei mir oft unterbewusst abläuft. Manchmal erkenne ich Jahre später, dass ein Aspekt meiner Arbeit ursprünglich durch einen Ausstellungsbesuch, eine Textzeile in einem Lied oder durch ein intensives Künstlergespräch beeinflusst wurde. Ganz Allgemein kann ich sagen, dass mich Menschen und ihre Kommunikation untereinander sehr interessieren. Und mich fasziniert eigentlich alles, was nicht perfekt ist. Ach ja und gebrauchter Karton inspiriert mich definitiv.

Was ist die Idee bzw. die Philosophie hinter deinen Werken?
Man könnte das umschreiben mit „Konzeption meets Zufall“. Am Anfang neuer Arbeiten steht meist ein konzeptioneller Ansatz, wie zum Beispiel bei meinen Musikvideo-Collagen. Hier geht es mir darum, Teile bereits bestehender Arbeiten, wie zum Beispiel Musikvideos, bei denen ich Regie geführt habe, neu zu kombinieren und zu remixen. Welche Teile dann wie genau zusammengefügt werden, ist dann rein intuitiv.

Haben deine Arbeiten eine Aussage?
Das möchte ich gerne mit drei Zitaten beantworten:
„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, Karl Valentin (Humorist).
„Nur der Dumme sieht das Schöne nur im Schönen“, Oliviero Toscani (Fotograf).
„Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“, Arthur Schopenhauer (Philosoph).

Was ist für dich das Besondere an dem Material (häufig Wellpappe und Abbildungen aus Magazinen), welches du verwendest?
Ich fand Karton schon als Kind faszinierend. Schon früher habe ich lieber mit der Verpackung eines Geschenkes eine Burg gebaut als mit dem eigentlichen Geschenk gespielt. Noch heute regt mich Karton einfach zum Gestalten an. Für die meisten ist das einfach Abfall, aber für mich ist das ein einzigartiger Untergrund – gerade für meine Cardboard-Collagen. Gebrauchter Karton ist gerade durch seine unterschiedlichen Gebrauchsspuren unheimlich lebendig. Aufkleber, Beschriftungen, Risse, Farbflecken und Aufdrucke machen jeden Karton zum Unikat. Auch wenn es auf den ersten Blick alles gleich aussieht, jedes Stück Karton hat seine eigene Geschichte.

Wie kommst du in einen, wir nennen ihn, ARTIST FLOW – also in einen Zustand voller Kreativität, also könnte dich nichts stoppen?
Was sind deine „GO – TO“ Tricks?
Smartphone auf Flugmodus, Kopfhörer rein, gute Mucke an, an nichts denken und los! Klappt leider nicht immer. Die einzigen zwei Tipps, die ich parat habe, ist zum einen sich selbst zeitlich nicht unter Druck zu setzen und zum anderen wirklich sein Handy auszumachen.

 

 

 

 

Hier noch ein Musikvideo von Matthias, bei dem die ganze Kulisse aus Karton gestaltet wurde, als Hommage an diesen Vorfall.

 

 


 

Matthias Edlinger

www.deredlinger.de
Instagram: @edlinger_did_it

 


Regensburg UNSECO Weltkulturerbe POPUP Galerie THEWHYNOT

Matthias Edlinger ist Teil der:

THEWHYNOT POPUP GALERIE
Contemporary & Urban Art
10. September – 8. Oktober 2018
Tändlergasse 18, Regensburg

Öffnungszeiten: Mi. – Sa. 11:00 – 19:00 Uhr

Eröffungsführung am 12. September 18:00 Uhr.

 

Andere teilnehmende Künstler sind:

Anne Regier
Hyland Mather – The Lost Objekt
Peter Phobia
Rayk Amelang
Doménico CV Talarico
Martin Gerstenberger

 

 


Fotos: Teaserbild ©Philipp Wulk / ©Matthias Edlinger