ART, Artists we love

Artist we love: Constanze Thielecke


 

„Wenn die Betrachtenden meine Bilder und ihren dahinter versteckten Sinn zu verstehen versuchen, begeben sie sich in einen Bereich, der nicht rational erklärbar ist.“


 

Mit Würde und doch etwas schüchtern stellen sich die Frauenfiguren in Constanze Thieleckes Bilderwelten dem Betrachter gegenüber. Ins Zentrum ihrer Arbeiten, setzt sie sie intuitiv, beginnend mit einem realistischen Porträt, um das herum sie dann abstraktere Formen stellt, die wachsen können. Es sind oft historische, zeitgenössische und mythische Figuren, die Constanze in neue, imaginäre Beziehungen zueinander stellt und nach ihren sozialen Beziehungen und Identitäten fragt. Die Mischung aus dem Imaginären und dem realistischen erzeugt die Spannung, die den Betrachter an ihre Werke fesselt.

Wir haben Constanze in einem Interview nach den Geschichten hinter ihren Bildwelten gefragt, was sie dem Betrachter mitgeben möchte und was sie glücklich macht.

 

 

 

Liebe Constanze, du hast an der Aberystwyth University in Wales studiert. Was hat dich dorthin geführt?
Ich wollte unbedingt rauskommen aus der kleinstädtischen Gegend, in der ich aufgewachsen bin und in eine komplett neue Welt eintauchen. Aberystwyth ist eine Studentenstadt an der walisischen Küste. Sie hat mich gleich beim ersten Besuch überzeugt. Die Landschaft ringsum war rau und wunderschön, die Menschen herzlich und die School of Art mit ihrem historischen Charme hat mich auch voll eingenommen. Außerdem ausschlaggebend für mich war, dass ich hier mit vielen künstlerischen Arbeitsweisen bekannt gemacht wurde. Es war für mich künstlerisch sehr befreiend, an einem komplett neuen Ort anzukommen, eine Art Bestandsaufnahme zu machen und nach und nach meine Themen und meine Techniken herauszuarbeiten.

Wo lebst und arbeitest du jetzt?
In Berlin. Nach dem Studium in Wales wollte ich Großstadtluft schnuppern und weiter an meiner Kunst arbeiten. Durch die noch relativ günstigen Mietpreise hier habe ich die Möglichkeit, meiner künstlerischen Arbeit weiterhin viel Raum zu geben und Galerien, Events und Museen zu besuchen. Das riesige Angebot kann aber auch erdrückend sein und vom Kunst machen abhalten, wenn man keine strikten Prioritäten setzt. Ich merke für mich persönlich, dass der Ort und die äußeren Eindrücke an sich immer zweitrangiger werden und ich immer dann am produktivsten bin, wenn ich mich eine Weile einigeln kann, um Dinge auszuprobieren, zu verwerfen und wieder aufzunehmen. Das kann man in Berlin ja auch ganz gut.

Wie bist du zur Kunst gekommen?
Das Wissen, das ich mich unbedingt künstlerisch ausdrücken muss, war immer schon irgendwie in mir vorhanden, nur mal mehr und mal weniger richtig bewusst. Schon als Kind habe ich gemalt, gezeichnet, getöpfert und Kurzgeschichten geschrieben. Um mich und meine Familie zu beruhigen habe ich aber zunächst eine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht. Aber schnell war mir dann klar, dass mir diese Art der Kreativität nicht reichte, da sie mich nicht spirituell, von innen heraus erfüllt. Ich brauchte die Freiheit, mich ohne Begrenzungen in einem geschützten Rahmen kreativ auszuleben, und das fand ich im Kunststudium. Mittlerweile kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass Kunst keinen wichtigen Raum in meinem Leben einnimmt, denn sobald ich das eine Weile nicht mache, fällt mir die Decke auf den Kopf.

Mit welcher Technik arbeitest du?
Ich zeichne und male. Eine Zeit lang arbeitete ich konzeptuell, da ich während meines Masterstudiums an der UdK eine Menge kulturwissenschaftliche Texte zum kollektiven Gedächtnis las. Der Versuch, Kunst und Theorie zusammenzubringen, hat mir viel Kopfzerbrechen gebracht. Ich habe gemerkt, dass für mein Empfinden den Arbeiten, die dabei entstanden, etwas Entscheidendes fehlte – vielleicht die Ambivalenz. Letztendlich habe ich nun die figurative Kunst wiederentdeckt. Wobei mir der Ausflug ins konzeptuelle durchaus etwas gebracht hat, da auch heute noch Konzepte, Ideen oder Geschichten in meine Bilder einfließen, wenn auch indirekter. Jetzt entstehen die Bilder fast von alleine und es braucht nicht viel damit ich mich vor das Zeichenbrett oder an die Leinwand stelle. Das ist recht intuitiv. Mit dem realistischen Porträt fängt es an, um das herum ich dann abstraktere Formen stelle, die wachsen können. Gerne arbeite ich an mehreren Bildern gleichzeitig, dadurch fließen auch Elemente des einen Bildes in das nächste.

Was passiert in deinen Bildwelten? Erzählst du Geschichten?
In meinen Bildern porträtiere ich Frauen und dabei greife ich sowohl auf imaginäre als auch historische und mythische Frauenfiguren zurück. Obwohl meine Bilder einen illustrativen Charakter haben, würde ich aber nicht sagen, dass sie eine Geschichte erzählen. Also eine mythische Geschichte pro Bild oder so ähnlich. Ich würde eher sagen, dass es in meinen Bildern um das Wechselspiel zwischen Ordnung und Chaos oder auch Sinn und Leere geht. Geschichten und Mythen sind ja über alle Kulturen und Zeiten hinweg zu findende Phänomene, die sich auch wandeln. Wenn man sich mit mythologischer Geschichte beschäftigt, merkt man, wie viele Deutungen es gibt und wie die Deutungen der einzelnen Figuren von der jeweiligen Zeit abhängen.
Die Amazonen sind zum Beispiel hauptsächlich Fantasiefiguren einer antiken griechischen Gesellschaft mit ihren Ängsten und Rollenbildern. Momentan greife ich griechische Gottheiten in meinen Bildern auf. Auch diese entstanden im Mythos ja erst aus dem Chaos heraus. Aber auch andere und ältere Gottheiten sind Teil meiner Arbeiten. Manchmal bleiben die Charaktere auch ganz für sich ohne jeglichen Bezug zu einer konkreten Figur oder Geschichte und ich arbeite abstrakter mit Form und Farbe.

Was möchtest du dem Betrachter mit auf den Weg geben?
Ich möchte sie zuerst mal dazu hinreißen, zu träumen. Wenn die Betrachtenden meine Bilder und ihren dahinter versteckten Sinn zu verstehen versuchen, begeben sie sich in einen Bereich, der nicht rational erklärbar ist. Vielleicht entstehen emotionale Reaktionen und Kontemplation. Das fände ich gut, denn dadurch findet auch eine Entschleunigung statt, die glaube ich sehr fehlt in unserem Alltag.

Was macht dich glücklich?
Im Alltag bin ich immer dann glücklich, wenn ich den Moment ganz genieße und ich mich mit meinen Mitmenschen und meiner Umgebung in einer Art gelingendem Zusammenspiel befinde. Das kann man nicht immer selber beeinflussen, aber ich bin auch immer dann glücklich, wenn ich gerade mittendrin im Kunst machen bin und einfach alles seinen Platz findet. Das kann ich selber zumindest soweit beeinflussen, indem ich fast jeden Tag im Studio arbeite.

Woher schöpfst du deine Inspirationen?
Ich tanke Kraft durch Ausflüge in die Natur, wenn ich so verrückt schöne Dinge wie unseren Sternenhimmel oder die stürmische See auf mich wirken lasse. Diese Eindrücke tauchen auch als Elemente in meinen Bildern auf. Historisch gesehen finde ich die Ideen und Motive der Künstler/innen der Art Nouveau Epoche spannend. Und ab und zu verbringe ich einen Tag in der Bibliothek und lese was sich manche Philosophen und Kulturwissenschaftler so für spannende Theorien über die Menschheit überlegen.

 


 

Constanze Thielecke

 

www.constanzethielecke.com

Instagram: @constanzethielecke

Facebook: Constanze Thielecke

 


Fotos: © Constanze Thielecke