ART, Artists we love

Artist we love: Andrea Imwiehe


„Als Kind habe ich nur die Schönheit und Magie der Natur gesehen, nicht die Fabrik unmittelbar daneben.“


 

Die berliner Künstlerin Andrea Imwiehe bezeichnet man gerne als Archäologin der Erinnerung, da sie das, was im Verborgenen schlummert, wieder sichtbar macht. Sie spielt mit ihren eigenen Erinnerungen und setzt sich dabei mit ihrer Kindheit auseinander.

Wir freuen uns, dass wie Andreas Arbeiten in diesem Jahr bei unserer dritte ROOMSERVICE Ausstellung präsentieren dürfen und haben sie nun vorab zu einem Interview eingeladen.

 

 

Du bist Bauzeichnerin und Bildende Künstlerin. Deine Arbeiten setzen sich aus Skizzen und Malerei zusammen. Ist deine Kunst die logische Konsequenz aus deinem beruflichen Weg?
Im Grunde ja, in meinen Bildern fügt sich alles zusammen, was ich schon immer geliebt habe: Architektur, Malerei, die Wirkung von Farbe. Architektur hat mich schon immer fasziniert. Ursprünglich wollte ich das auch studieren und habe so nach dem Abitur mit einer Ausbildung zur Bauzeichnerin begonnen. Da habe ich aber schnell gemerkt, dass mein Zugang ein anderer ist. Mich interessieren vor allem alte Gebäude und dann das, was dort passiert sein könnte, in der Vergangenheit. Ich habe also nie als Bauzeichnerin gearbeitet, aber die Faszination für Architektur ist noch immer da.

Wie viel Autobiografisches steckt in deinen Arbeiten?
Ich brauche einen persönlichen Ausgangspunkt, um zu beginnen. Das kann ein Ort sein, mit dem ich etwas verbinde, ein Foto oder auch die Erinnerung an eine Landschaft oder auch nur eine Stimmung. Was am Ende entsteht, ist dann aber etwas komplett Eigenständiges.

Woher kommen deine Ideen, wie gehst du vor?
Ich habe mittlerweile einen immensen Fundus an Fotografien. Wenn ich mich im Alltag bewege fotografiere ich alles, was bei mir eine Erinnerung auslöst oder eine bestimmte Stimmung. Meist Gebäude oder Natur, Bäume, Wildnis. Davon ausgehend entstehen Skizzen, auch Farbkompositionen. Ich arbeite ja immer in Serien und Reihungen. Die Farbstimmung ist für mich da sehr wichtig, da sie die Wirkung eines Bildes komplett verändern kann. Für die Serie Anamnesis, an der ich von 2015 bis 2017 gearbeitet habe, bin ich an Orte der Kindheit zurückgekehrt und habe dort fotografiert.

Existieren die Orte, die auf deinen Bildern dargestellt sind, wirklich?
Es existieren einzelne Teile in Wirklichkeit, aber nie so wie sie in den Bildern dargestellt sind. Die Gebäude z. B. gibt es, aber nicht in der gemalten Umgebung.

Welche Rolle spielt dabei die Farbgebung?
Die Farbe ist das Wichtigste überhaupt. Eine kleine Farbnuance kann die Wirkung des gesamten Bildes verändern. So kann ich den Anschein von Sonne im Bild erwecken oder eine kalte Winterstimmung erschaffen. Ich beschäftige mich viel mit Farbwirkung und lege vorher fest, welche Stimmung ich in den Bildern haben möchte.

Du wurdest einmal als „Archäologin der Erinnerung“ bezeichnet. Woran erinnerst du dich mit deiner Kunst?
Ausgangspunkt meiner Arbeiten seit 2015 ist eine Reihe von alten Dias aus meiner Kindheit, auf denen ich in unterschiedlichen Situationen zu sehen bin. Das Foto war also da, ich konnte mich jedoch an die konkrete Situation nicht erinnern. Davon ausgehend habe ich mir die Frage gestellt, wie wir tatsächlich erinnern. Was es ist, dass Erinnerungen auslöst. Wir können ja nicht unser ganzes Leben präsent halten. Es gibt aber Momente, ein bestimmter Duft, eine Landschaft, einen Klang, der diese Erinnerungen wieder hervorholt. Aus dieser Idee heraus ist zum Beispiel auch der Titel meiner Serie Anamnesis entstanden, der auf die Ideenlehre Platons verweist und das Wiedererinnern, hervorgerufen durch einen äußeren Anstoß, meint. Ich beschäftige mich da vor allem mit Landschaft, da ich als Kind viel in der Natur unterwegs war. Der Ort meiner Kindheit ist jedoch sehr von Industrie und Bergbau geprägt, sodass ich jetzt als Erwachsene dieses Spannungsfeld besonders wahrnehme. Als Kind habe ich nur die Schönheit und Magie der Natur gesehen, nicht die Fabrik unmittelbar daneben. So haben sich die Motive meiner Bilder entwickelt.

Die skizzenhaften Elemente in den Bildern haben einen gewissen non-finito-Moment. Darf der Betrachter diese bewussten Leerstellen mit eigenen Erinnerungen füllen?
Ja natürlich, auf jeden Fall. Das fertige Bild hat einen Erinnerungsmoment, wie eine bestimmte Farbstimmung von Landschaft als Ausgangspunkt, stellt aber keine konkret erinnerte Situation dar. Insofern ist viel Raum für eigene Erinnerungen und Gedanken. Die skizzenhaften Elemente in den Bildern sind übrigens in die Acrylfarbe hineingeschnittene Linienzeichnungen, die so im Grunde ein versenktes Relief bilden.

Hilft dir die Visualisierung des Vergangenen beim Blick nach vorne, in die Zukunft?
Das ist eine sehr interessante Frage, über die ich so noch nicht nachgedacht habe. Ich denke, ja in gewisser Weise schon. Je klarer ich mir über mich selbst werde, desto genauer weiß ich auch, wo ich hin möchte, was ich brauche, was wirklich wichtig für mich im Leben ist.

Was hält deine künstlerische Zukunft für uns bereit?
Im Atelier auf jeden Fall größere Formate als bisher. Ich arbeite ja nur auf Holz, da ich die Linien direkt in die Farbe hineinschneide. Das geht auf Leinwand nicht. Ich lasse mir nun von einem Tischler Holzkörper in größerem Format bauen. Dann freue ich mich ganz besonders über die Zusammenarbeit mit der Galerie Karin Sachs aus München im nächsten Jahr und die Einzelausstellung, die wir dort am 20. März 2020 eröffnen.
Aber vorher passiert auch noch einiges. Noch bis zum 12. Oktober sind meine Arbeiten gemeinsam mit den Zeichnungen von Jelena Fuzinato in der Galerie subjectobject in Berlin zu sehen.
Auch im Oktober eröffnet die Gruppenausstellung Sterntaler.
Anfang November kann man mich auf der Messe 3 Tage Kunst in der Kommunalen Galerie Berlin antreffen. Am 7. Dezember dann gibt es die Möglichkeit eines meiner Bilder bei der Charity Auktion „Kunst für Bildung“ zu ersteigern.
Für 2020 sind außerdem Ausstellungen in der Museumsfabrik Pritzwalk, dem Kunsthaus des BBK in Braunschweig und dem Kunstverein Wesseling geplant.

 

 

Ausstellungsansicht Galerie subject|object, Berlin

 


ANDREA IMWIEHE

www.andrea-imwiehe.de

 

Andrea Imwiehe ist in diesem Jahr Teil unserer dritten ROOMSERVICE Ausstellung am 10.11.2019 im Regenbsurger Hotel Luis. Mehr Infos dazu gibt es in dieser Woche hier im THEWHYNOT Magazin!

 


Fotos: @Andrea Imwiehe – Teaserfoto: Transformart, Berlin

 

Das Interview führte Katharina Rohmeder.