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Jorinde Voigt // Art-Girl-Crush in Nürnberg

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Da ist sie also. Etwas verspätet ist ihr Flieger gelandet und sie stößt zu uns, einer kunstinteressierten Gruppe in die Kunsthalle Nürnberg: Alle haben darauf gewartet SIE einmal zu sehen. Sie, das ist Jorinde Voigt, DIE aufstrebende deutsche Künstlerin, gefeierter Popstar der Kunstszene und Platz eins unter dem neuen deutschen Künstlernachwuchs.

Es ist an diesem Abend so was wie ein Girl Crush, wie man das in der Bloggersprache nennen würde. Eine Schwärmerei für jemanden, verbunden mit ein bisschen Herzklopfen, quasi eine Lightversion des heimlichen Verknalltseins – so von Frau zu Frau.

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Und ja, als sie sich zur Gruppe gesellte, war da dieses Gefühl von „Oh wow, da ist sie“.

 

Rehbraune Haare, den Pony tief ins Gesicht geschnitten, rote Lippen. Sonst ganz in schwarz gekleidet, Fiorentini + Baker Boots, und ein Jutebeutel. Der lässt irgendwie erkennen, dass sie aus Berlin kommt. Zumindest ist sie Wahlberlinerin, geboren ist Jorinde in Frankfurt am Main. Jahrgang 77. Also gerade mal 40. Sie hat Philosophie und Neue deutsche Literatur studiert, später Soziologie und Literaturwissenschaften. Und Kunst, an der Universität der Künste in Berlin bei Christiane Möbus und später bei Katharina Sieverding. Jorinde hat es seit dem in viele Museen geschafft, u.a. ins Museum of Modern Art New York, Art Institute of Chicago, in die Bundeskunstsammlung Bonn, in den Hamburger Bahnhof in Berlin, in die Hamburger Kunsthalle und in die Grafische Sammlung München. Seit 2014 ist sie Professorin für konzeptuelle Zeichnung und Malerei an Akademie der Bildenden Künste in München.

Ok, das ist jetzt im ganz Kleinen ein Einblick in ihre wahnsinns Vita. Man darf nämlich nicht vergessen, dass sie eigentlich wie besessen Kunst produziert. In den letzten 2 Jahren mehrere hundert Arbeiten.

 

Und diese Arbeiten sind so besonders, kommunikativ, fast schon magisch, aber vor allem fesselnd.

 

Eine der Gäste, die an diesem Girl-Crush-Abend mit in der Runde um Jorinde herum stand, hat es auf den Punkt gebracht. Sie sagte so was wie, dass sie eine tiefe Dankbarkeit verspürte, nachdem sie die Ausstellung hier in der Nürnberger Kunsthalle zum Ersten mal gesehen hatte. Eigentlich hätte sie gar keine Zeit gehabt, an diesem Abend zum Artist Talk zu kommen, aber die Werke haben in ihr etwas bewegt, was sie so schon lange nicht mehr gespürt hat.

 

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Tatsächlich schafft Jorinde eine neue Form der Kommunikation. Es ist etwas ganz Neues was mit einem passiert, wenn man in ihre Werke eintaucht. Man tritt ein in ein Universum und wird in eine andere Gedankenwelt getragen. In die von Jorinde. „Bis einem schwindelig wird“, so umschreibt es die Museumsleiterin Ellen Seifermann, die uns durch den Artist Talk charmant und gekonnt, mit ein bisschen Impovisationskunst navigiert.

 

Als Denkmodelle lassen sich Jorindes Arbeiten am besten beschreiben.

 

Ist man erst einmal über die Kompositionen der Farben tiefer in die Werke Jorindes eingetaucht, beginnt das Interesse für die vielen Linien und Beschriftungen. Man entdeckt Begrifflichkeiten die den Jetztzustand beschreiben, aber auch Rotationsbewegungen, Umdrehungsrichtungen, Gravitationsbeschreibungen und Unendlichenkeiten, die einen, naja ein Stück weit überfordern können.

Jorinde versteht ihre Arbeit als ein Notieren von dem was jetzt gerade ist. Dabei taucht sie tief in ihr Unterbewusstsein ein und versucht zu erklären was Erlebnisse mit ihr machen. „Was ist das, was mir passiert?“, sagt sie fragend in die Runde, „Wie beschreibt man Dinge, für die es keine Wörter gibt? Das ist das was ich erforsche.“

Das können alltägliche Dinge sein, wie z.B. das Küssen, das Hören einer Beethoven Sonate oder die Flugbahn eines Adlers. Sie erzählt uns vor einem ihrer Werke aus der Serie „Beobachtungen im Jetzt“, wie sie monatelang morgens aufgewacht ist und immer wieder eine Avatar-Struktur gesehen hat, die sie nicht erklären konnte, bis sie nach und nach versucht hat eine Form dafür zu finden.

 

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Es geht also etwas in Jorinde vor, für das sie nach einem Ausdruck sucht. Einer Kommunikationsform neben der Sprache.

 

Aber es kann auch anders herum funktionieren. Jorinde hat sehr viel Muße und Arbeit in die Werkserie „Synchronicity“ gesteckt, bei der hunderte von schwarzen Gänse- und Schwanenfedern wie Dachschindeln auf das Papier geklebt wurden. Wie eine dunkle Hügellandschaft. Hügelmotive stehen für Jorinde für eine Zuspitzung eines Themas. In diesem Fall hat sie erst über den Arbeitsprozeß hinweg gemerkt, dass sie sich während dessen in tiefer Trauer befunden hat, obgleich sie nach einer Neuinterpretation des Themas Fliegen suchte. Ein Thema übrigens, das sich wie ein roter Faden durch ihr Gesamtwerk zieht. Dabei hat sie historische Werke von Pietro Cavallini und ihre vergangenen Formen in die Jetztzeit geholt und unter der gegenwärtigen Perspektive vorgestellt.

 

Aber STOPP! Jetzt könnte ich euch noch irre lange etwas zur Jetztzeit erzählen, die Jorinde in ihren Werken als NOW Linie bezeichnet, über ihre aufwendige Intarsien Arbeiten und ihren sogenannten Splash, einem Element, dass sie zur Kommunikation ihres persönlichen Erfahrungsraumes verwendet. Aber das würde zu weit führen.

Ich kann euch nur ans Herz legen, die letzten zwei Ausstellungstage in der Kunsthalle Nürnberg zu nutzen, um in die „Denkmodelle von Alltäglichem“ selber einzutauchen, euch kurz darin zu verlieren und dann wieder aufzutauchen, nach Luft zu schnappen, um dann die Welt auf eine andere Weise zu sehen!

 

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Nur noch bis Sonntag 7. Mai 2017!!

Kunsthalle Nürnberg
Lorenzer Straße 32
90402 Nürnberg

www.kunstundkulturquatier.de

www.jorindevoigt.com